Ärzte Zeitung online, 22.04.2009

Nervenärzte: Honorarkorrektur verhindert Kollaps

BERLIN (dpa). Die von vielen Fachärzten heftig kritisierte Nachbesserung bei den Honoraren rettet die ambulante psychiatrische Versorgung nach Ansicht von Nervenärzten und Psychiatern vor dem Aus. "Durch die neue Regelung ist es gelungen, den befürchteten Kollaps bei der ambulanten, wohnortnahen Versorgung psychiatrisch erkrankter Patienten zu verhindern", sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN), Dr. Frank Bergmann.

Zu Wochenbeginn hatten sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) auf eine Nachjustierung der Honorarregelung mit den umstrittenen Pauschalvergütungen verständigt. Nun sollen bestimmte Leistungen - wie die von Psychiatern - besser bezahlt werden. Die Krankenkassen und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) pochen darauf, dass das Honorarbudget von gut 30 Milliarden Euro eingehalten werden muss.

Nach den Worten von Bergmann wären niedergelassene Psychiater ohne Neuregelung "in vielen Fällen gezwungen worden, ihre Patienten in psychiatrische Kliniken zu überweisen" und ihre Praxen zu schließen. Eine pauschale Vergütung von 30 bis 50 Euro pro Patient und Quartal reiche zur Diagnostik und Therapie psychiatrischer Erkrankungen nicht aus. "Das Gespräch mit dem Patienten ist unser einziges Werkzeug und in der Regel enorm zeitintensiv", sagte der BVDN-Chef am Mittwoch zur dpa. Auch mit der neuen Honorarvereinbarung liege die Vergütung "auf sehr niedrigem Niveau. Hier muss noch nachgebessert werden."

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland zehn bis zwölf Millionen Menschen an einer psychiatrischen Erkrankung. Rund 85 Prozent der behandelten Patienten werden von rund 5000 Psychiatern und Nervenärzten ambulant versorgt.

Psychiatrische Erkrankungen sind laut BVDN inzwischen in Deutschland die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Etwa ein Drittel der Kosten im Gesundheitswesen fielen für die Behandlung von neuropsychiatrischen Erkrankungen an.

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