Ärzte Zeitung online, 05.05.2009

Modellprojekt zur Betreuung geistig Behinderter

MAGDEBURG (dpa). In Magdeburg hat am Montag ein Modellprojekt zur Betreuung geistig behinderter Menschen begonnen. Ziel ist es, den Betroffenen ein Leben mit weniger Medikamenten zu ermöglichen, vor allem stark dämpfend auf das Nervensystem wirkenden Psychopharmaka.

Beteiligt sind 35 Bewohner des Magdeburger Regenbogenhauses, die momentan bis zu fünf verschiedene Medikamente einnehmen. Ihnen werden die Mittel teils seit Jahrzehnten verabreicht, ohne dass klar ist, ob sie sie wirklich noch brauchen, wie der Heimleiter und Initiator des Vorhabens, Gerhard Ackermann, sagte. Im Zuge des Modellprojekts soll nun versucht werden, die Tabletten schrittweise abzusetzen.

Wissenschaftlich begleitet wird das auf drei Jahre ausgelegte Projekt, das nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes bundesweit einmalig ist, von Experten der Universität Halle-Wittenberg. Im Falle eines Erfolges könne es Vorbild sein für die Betreuung geistig Behinderter in Heimen, aber auch in Familien, sagte die Geschäftsführerin des Paritätischen Sozialwerkes Behindertenhilfe Sachsen-Anhalt, Birgit Reinhardt. Nach ihren Angaben erhalten in den Heimen ihres Verbandes zwei Drittel der geistig behinderten Bewohner Medikamente.

"Wir gehen davon aus, dass ein Gutteil keine Medikamente mehr braucht", sagte der an dem Magdeburger Vorhaben beteiligte Facharzt für Psychiatrie, Torsten Freitag. Psychopharmaka, mit denen üblicherweise Angststörungen, Depressionen oder Schizophrenie behandelt werden, seien den Betroffenen häufig "irgendwann einmal" verordnet worden, um sie ruhiger zu stellen und zum Beispiel Aggressionen zu vermeiden. Das könne zeitweise durchaus richtig gewesen sein, inzwischen sei aber fraglich, ob es noch nötig sei. Die Menschen litten oft an Nebenwirkungen wie Antriebsschwäche, Müdigkeit, Desinteresse oder Sprachstörungen.

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