Ärzte Zeitung online, 06.05.2009

Neues Risikogen für Narkolepsie entdeckt

NEUHERBERG (eb). Genetische Varianten im T-Zellrezeptor sind mit Narkolepsie assoziiert. Das haben Wissenschaftler aus Deutschland und den USA jetzt herausgefunden. Patienten mit Narkolepsie haben einen Mangel an Wachhormon Hypocretin. Ursache ist nach den neuen Erkenntnissen offenbar eine T-Zell-basierte Zerstörung der Hypocretin-bildenden Zellen im Hypothalamus.

Neues Risikogen für Narkolepsie entdeckt

Ein internationales Forscherteam hat ein Risikogen für Narkolepsie identifiziert.

Foto: Spectral-Design©www.fotolia.de

Wissenschaftler forschen seit Langem an der Rolle des körpereigenen Immunsystems bei der Entstehung der Narkolepsie. Eine wichtige Funktion übernehmen dabei bestimmte Zellen im Gehirn, die das Wachhormon Hypocretin produzieren. Narkolepsie-Patienten haben weniger Zellen, die Hypocretin produzieren und damit weniger Hypocretin mit der Folge einer erhöhten Schläfrigkeit.

Die Wissenschaftler der Wissenschaftler der Stanford Universität in Kalifornien, der Technischen Universität München und dem Helmholtz Zentrum München prüften das Genom von insgesamt 1800 Narkolepsie-Patienten und gesunden Probanden. Analysiert wurden Sequenz-Varianten (SNPs), die über das gesamte Genom verteilt waren.

Beim Vergleich der Sequenzen zwischen Patienten und Kontrollen konnten Varianten im T-Zellrezeptor identifiziert werden, die mit der Narkolepsie assoziiert sind. Dieser Rezeptor kommt auf Zellen vor, die in der Immunantwort eine wichtige Rolle spielen.

90 Prozent der Narkolepsiepatienten sind Träger eines bestimmten HLA-Typs. Das Immunsystem verwendet das HLA-System, um zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen zu unterscheiden. Das Zusammenspiel zwischen dem HLA-System und dem T-Zellrezeptor, so legt die Untersuchung nahe, führt zur Zerstörung der Hypocretin-produzierenden Zellen im Hypothalamus von Narkolepsie-Patienten (Nature Genetics).

Bisher konnte bei keiner anderen Autoimmunerkrankung eine Verbindung zwischen HLA- und T-Zell-Varianten hergestellt werden. Wenn man weiß, was bei der Entstehung der Narkolepsie passiert, so hoffen Wissenschaftler, erhält man auch einen besseren Einblick in die Mechanismen der T-Zelle bei anderen Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose oder Diabetes Typ 1.

Stichwort Narkolepsie

Patienten mit Narkolepsie haben eine außergewöhnliche Tagesschläfrigkeit mit einer erhöhten Schläfrigkeit am Tage, die unwiderstehlich werden kann. Die Patienten schlafen tagsüber plötzlich für wenige Sekunden bis zu mehreren Minuten ein.

In der Nacht kommt es zu einem verschobenen Schlafrhythmus, so dass man im Schlaflabor bei den Patienten bereits kurz nach dem Einschlafen Traumphasen messen kann.

Typisch sind auch Kataplexien. Das sind plötzlich auftretende, vorübergehende Kontrollverluste über die Muskeln bei vollem Bewusstsein. Der Patient fällt förmlich in sich zusammen, ist dabei aber wach.

Abstract der Studie "Narcolepsy is strongly associated with the T-cell receptor alpha locus"

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