Ärzte Zeitung online, 11.05.2009

Zwang zum Haare ausreißen: Ursachen ungeklärt, Therapie Erfolg versprechend

HAMBURG (eb). Die Ursachen des Zwangs, sich die Haare auszureißen, sind unklar. Doch es gibt Erfolg versprechende Therapien bei der Trichotillomanie genannten Zwangsstörung. Dazu gehören Verhaltenstherapien, Teilnahme an Selbsthilfegruppen und Medikamente. In einem neuen Buch gibt es Antworten auf wichtige Fragen zu der Krankheit.

Cover der Monografie

Cover der Monografie "- Fragen und Antworten zum zwanghaften Haare ausreißen"

Foto: Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.

Erstmals ist jetzt eine Monografie zum Thema erschienen: "Trichotillomanie - Fragen und Antworten zum zwanghaften Haare ausreißen", wie die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen mitteilt. Herausgeberin ist die Vorsitzende der Gesellschaft.

Psychologen, Mediziner und Patienten haben in Einzelbeiträgen ihre Erfahrungen mit der wissenschaftlich kaum erforschten Krankheit zusammengetragen - als Ratgeber für Behandler, Kranke und Angehörige.

Dr. Annett Neudecker weist in ihrem Beitrag auf die breite Varianz in der Symptomatik hin: "Ein großer Teil der Patienten leidet an Stimmungsschwankungen und langen Perioden der Niedergeschlagenheit, an sozialen und anderen Ängsten sowie Zwängen. Seltener wird auch über Essstörungen und Substanzabhängigkeit berichtet. Ob all diese Symptome so stark ausgeprägt sind, dass man gleichzeitig von einer komorbiden Erkrankung sprechen kann, ist von Person zu Person unterschiedlich."

Annähernd 60 Prozent der Trichotillomanie-Betroffenen leiden oder litten an einer depressiven Erkrankung. Unklar ist, ob diese als Ursache oder Folge oder überhaupt in einem Zusammenhang mit dem Haare Ausreißen steht. Ähnlich verhält es sich mit der häufigen Angsterkrankung.

Die Persönlichkeitsmerkmale von Trichotillomanie-Betroffenen beschreibt Neudecker als uneinheitlich. "Allerdings gibt es eine Tendenz: Eine große Zahl zeichnet sich dadurch aus, dass sie über hohe innere Anspannungen verfügen, allerdings nach außen hin auch eine relativ hohe Gehemmtheit an den Tag legen, so dass man sich fragen muss, was sie mit dieser Anspannung machen. Dies taucht besonders bei Betroffenen auf, die ängstlich, nervös, depressiv und unsicher sind, ohne dass es die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllen würde."

Entspannung dient daher als Leitmotiv des Kapitels "Was kann ich selber tun? 40 Strategien gegen das Haareausreißen, von A bis Z". Peters liefert hier Anregungen aus ihren eigenen Erfahrungen als Trichotillomanie-Betroffene und aus ihrer Arbeit in der Trichotillomanie-Info- und Beratungsstelle.

Ihre eigene aktuelle Situation beschreibt Peters so: "Das Haarereißen kommt nur noch vereinzelt vor. Innere Anspannung oder negative Gefühle kann ich zulassen, ohne zu reißen. Trichotillomanie ist heute eher ein wichtiges Barometer für mich, welches mir anzeigt, wie es mir geht und wann ich besser für mich sorgen muss. Das Haarereißen hat seinen Schrecken verloren. Ich bin endlich in meinem Leben angekommen und fühle mich wohl mit mir."

Stichwort Trichotillomanie

Fast ein Prozent der Bevölkerung sind von Trichotillomanie betroffen. Dabei handelt es sich um einen häufig wiederkehrenden Zwang, eigene Haare auszureißen. Die Krankheit beginnt häufig zwischen dem 9. und 13. Lebensjahr. Die Ursachen sind unbekannt. Zur Behandlung haben sich Verhaltenstherapie, Selbsthilfegruppen und Medikation (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) bewährt, meist in Kombination

Antonia Peters (Hrsg.): Trichotillomanie - Fragen und Antworten zum zwanghaften Haare ausreißen. Pabst, Lengerich / Berlin, 160 Seiten, 15 Euro. ISBN 978-3-89967-425-5

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