Ärzte Zeitung online, 17.07.2009

DGGG veröffentlicht Stellungnahme zur Intimchirurgie

BERLIN (eb). Verkleinerung der inneren Schamlippen, Vergrößerung des G-Punktes, Wiederherstellung des Jungfernhäutchens - die Anfragen von Frauen nach kosmetischen Genital-Operationen und die Zahl dieser Eingriffe haben sich erhöht. Risiken der Operationen sind unzureichend untersucht. Deswegen warnt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in einer Stellungnahme vor möglichen Folgen.

Wer glaubt, mit einer Vaginal-Verjüngung könne man eine Ehe retten, steht nicht mehr allein da. Operationen im Intimbereich beschäftigen in den USA bereits viele Chirurgen. Ein Trend, der auch vor Deutschland nicht Halt macht. "Die Zahlen der Schönheitsoperationen am weiblichen Genitale ohne medizinische Notwendigkeit haben sich in den letzten Jahren dramatisch erhöht", sagt DGGG-Präsident Professor Rolf Kreienberg, Ulm. "Diese Entwicklung sorgt uns, denn Risikoeinschätzungen und Komplikationsraten dieser Operationen fehlen oder werden verharmlost."

Hinzu kommt, dass es keine wissenschaftlichen Daten gibt, die nachweisen, dass die Eingriffe zu anhaltender psychischer oder funktioneller Besserung führen. Gründe für diese Operationen sind überwiegend ästhetischen Ursprungs. Aber auch Einschränkungen beim Sport, bei der Kleiderwahl und beim Geschlechtsverkehr werden genannt. Mögliche Folgen der Eingriffe sind Entzündungen, Narbenbildungen, Nervenstörungen mit verringerter sexueller Empfindlichkeit.

Die DGGG fordert ausführliche Aufklärung der Patientinnen

Nicht selten lassen sich Frauen von unzureichenden Gründen für einen schönheitschirurgischen Eingriff leiten. Zusätzlich, so Kreienberg, könnten bei den Patientinnen psychische Störungen oder mangelnde Informationen ursächlich zugrunde liegen. "Umso dringlicher ist die Hinzuziehung eines Psychologen oder Psychiaters zum ärztlichen Aufklärungsgespräch anzuraten", sagt Kreienberg.

Zur Stellungnahme der DGGG im Volltext (pdf)

[25.04.2012, 08:01:13]
Dr. Wolfgang Hirsch 
Schamlippenoperationen
Auch in unserer Praxis ist die Zahl der Frauen mit dem Wunsch einer Schamlippenkorrektur in den letzten 6 Jahren sprunghaft angestiegen, von ca. 10/Jahr 2007 auf ca. 250 ambulante Labienresektionen im Jahr 2011. In allen Fällen war der Wunsch zur Operation aufgrund der geschilderten Beschwerden nachvollziehbar.
Im Hinblich auf den Befund war aus unserer Sicht bisher auch noch nie eine psychologische Beratung betreffs des Aussehens der Labien indiziert.

Ernste Komplikationen, die zu Spätfolgen ( Gefühlsstörungen, Narbenbildungen ) führten, traten bei unserer Op-Technik und -Methode in den letzten 6 Jahren nicht auf. Fast ausnahmslos führte die Operation bei den Patientinnen zu einer deutlichen Verbesserung des körperlichen und seelischen Befindens.

Erstaunlich ist, dass im Hinblich auf eine Verkleinerung der Schamlippen immer wieder „warnende Stimmen“ von Gynäkologen und psychotherapeutisch Tätigen auftreten, die offensichtlich über relativ wenig eigene operative Erfahrungen auf dem Gebiet der Intimchirurgie besitzen.

Warnen müssen wir allerdings vor der Schnittechnik nach Martincik & Malinowski, so von Gynäkologen und plastischen Chirurgen operierte Patientinnen unterziehen sich bei uns regelmäßig Korrekturoperationen. zum Beitrag »

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