Ärzte Zeitung online, 27.08.2009

Neues Therapiezentrum gegen Schwindelanfälle

MÜNCHEN (dpa). Ein europaweit einzigartiges Therapiezentrum für Patienten mit Schwindelattacken soll an der Münchner Uniklinik eingerichtet werden. Vertreter der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) stellten das Projekt am Donnerstag gemeinsam mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) in München-Großhadern vor. Spätestens ab nächstem Frühjahr sollen 5000 Patienten jährlich behandelt werden können.

Ärzte und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen sollen in dem Forschungs- und Behandlungszentrum unter ein Dach geholt werden. Damit wollen sie verhindern, dass Patienten mit Gleichgewichtsstörungen von Arzt zu Arzt laufen, ohne dass die richtige Diagnose gestellt wird. Der Bund fördert das Therapiezentrum in den nächsten fünf Jahren mit 25 Millionen Euro.

Schwindel gilt als Volkskrankheit und kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, etwa Störungen im Innenohr oder im Auge. "Die Wahrscheinlichkeit, eine Drehschwindelattacke im Leben zu erleiden, liegt bei 30 Prozent", sagte der Neurologe Thomas Brandt von der LMU. "Es ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt."

Trotzdem würden Patienten meist unterversorgt oder falsch behandelt. Betroffene wissen oft nicht, welchen Arzt sie aufsuchen sollen. Eine Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse - der heutigen KKH-Allianz - habe ergeben, dass die Krankenkasse innerhalb von zwei Jahren 1,6 Millionen Euro für wirkungslose Medikamente bezahlt habe.

"Die Stärke des Münchner Zentrums ist die Verbindung der wissenschaftlichen Experten aus Klinik und Grundlagenforschung, die gemeinsam an einem Ort zum Wohle der Patienten arbeiten", sagte Ministerin Schavan. In dem Therapiezentrum sollen rund 60 Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Besetzt werden die Stellen mit Ärzten, aber auch mit Ingenieuren, Informatikern und Physikern.

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