Ärzte Zeitung online, 22.09.2009

Tödliche Drogen-Therapie: "Die Situation ist außer Kontrolle geraten"

BERLIN (dpa). Auch drei Tage nach einer tödlichen Therapiesitzung in Berlin lag ein dritter Patient noch im Koma. Der 55-Jährige befinde sich in unverändert kritischem Zustand, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Unterdessen berichtete ein Überlebender von der lebensgefährlichen Gruppensitzung in Berlin-Hermsdorf.

Bei der Gruppensitzung bei der zwei Männer im Alter von 59 und 28 Jahren nach der Einnahme von Drogen gestorben waren. Dem 50 Jahre alten Therapeuten, der ihnen einen Mix verschiedener Drogen verabreicht hatte, wird gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen vorgeworfen.

In der Zeitung "B.Z." erzählte ein Mann von den Sitzungen, deren Teilnehmer jeweils 100 bis 150 Euro zahlen mussten. Am Samstagnachmittag habe der Therapeut nach Gesprächen und Meditation zwei Becher mit Drogen angeboten: weißes Pulver und weiße Tabletten. Die Begriffe Ecstasy und Ephedrin - eine pflanzliche Droge - seien gefallen. Beide Substanzen gehören zur Gruppe der Amphetamine, Drogen mit stimulierender und euphorisierender Wirkung. Die Drogen seien auch bei früheren Sitzungen konsumiert worden. Alle Mitglieder der Gruppe hätten Bescheid gewusst.

Dem Bericht zufolge probierten neun der zwölf Teilnehmer Drogen, darunter die später Gestorbenen. Die meisten Männer und Frauen seien im Delirium gewesen. Nach einigen Stunden sei ein Mann mit Herzstillstand zusammengebrochen. Die beiden Todesfälle seien ein Unglück gewesen. "Die Situation ist außer Kontrolle geraten."

Das Analyseergebnis der Rückstände in den Leichen liegt laut Staatsanwaltschaft noch nicht vor. Der Therapeut sagte den Ermittlern zwar, was er seinen Patienten gab, die Staatsanwaltschaft wollte das aber nicht veröffentlichen. Derzeit werden noch die neun inzwischen wieder gesunden Teilnehmer des Drogen-Experiments vernommen.

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