Ärzte Zeitung online, 16.10.2009

Therapeutenmangel bei Zwangsstörungen

MÜNCHEN (dpa). Für Patienten mit Zwangserkrankungen stehen nach Expertenansicht nicht ausreichend speziell ausgebildete Psychotherapeuten zur Verfügung. Zu wenige Fachleute seien etwa in der Konfrontationstherapie geschult, sagte der Psychotherapeut Thomas Hillebrand aus Münster am Freitag bei einer Tagung in München.

So müssten Patienten teils monatelang auf eine Therapie warten und manchmal hunderte Kilometer zurücklegen, betonte er während der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankung und der Tourette-Gesellschaft Deutschland.

Bei der Konfrontationstherapie werden Patienten unter Aufsicht dem Reiz ausgesetzt, der ihre Störung auslöst - beispielsweise Schmutz bei einem Patienten mit Waschzwang. Diese Therapie sei oftmals einer Behandlung mit Medikamenten vorzuziehen, sagte Michael Zaudig, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Windach. Mittlerweile gehe die Fachwelt davon aus, dass weltweit ein bis drei Prozent der Bevölkerung von Zwangserkrankungen betroffen sind.

Davon zu unterscheiden ist das Tourette-Syndrom, das mit sogenannten Ticks einhergeht, etwa zwanghaften Bewegungen oder lauten Ausrufen. Während es sich bei Zwangserkrankungen um psychische Erkrankungen handelt, sind die genauen Auslöser für Tourette noch nicht hinreichend bekannt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »