Ärzte Zeitung online, 14.12.2009

Neuer Stammzell-Chip zur Diagnose von Hirnschäden

DÜSSELDORF (dpa). Wissenschaftler haben spezielle Stammzell-Chips zur Diagnose von Hirnschäden entwickelt. Bei dem Verfahren wird Hirnwasser mit Nervenzellen in Verbindung gebracht, die aus embryonalen Mäuse-Stammzellen gewonnen wurden. In Kürze könne das Verfahren bei Menschen mithilfe umprogrammierter menschlicher Hautzellen genutzt werden, so die Forscher aus Düsseldorf.

Bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma sei die Aktivität der Nervenzell-Netzwerke auf dem bio-elektronischen Chip deutlich anders als bei Gesunden, erläuterte die Sprecherin. Das auf dem Computerbildschirm sonst sichtbare elektrische Bewegungsmuster gesunder Nervenzellen fehle. Die Unterscheidung ergebe sich aus der unterschiedlichen Konzentration und Zusammensetzung der Aminosäuren im Liquor (Annals of Neurology 66, 2009, 546).

Bei der in Kürze geplanten Anwendung des Verfahrens beim Menschen könnte das notwendige Nervenmaterial aus umprogrammierten menschlichen Hautzellen gewonnen werden, erläuterten der Düsseldorfer Neurologe Dr. Marcel Dihné und der Physiker Stephan Theiss. "Damit entfällt die ethisch problematische Verwendung embryonaler menschlicher Stammzellen völlig."

Unproblematisch sei das neue Diagnoseverfahren auch deswegen, weil der Diagnose-Chip ausschließlich außerhalb des Körpers (in vitro) und damit als Labormethode angewandt werde. Zudem sei "das lebende Netzwerk der Nervenzellen", wenn es einmal auf dem Chip mit seinen Elektrodenfeldern aufgebracht worden ist, über einen längeren Zeitraum nutzbar.

Bisher sei das Verfahren nur in der Diagnose von Schädel-Hirn-Schäden mit klaren Ergebnissen eingesetzt worden, erklärte das Düsseldorfer Forscher-Duo. "Als überraschendes Teilergebnis unserer Arbeit konnten wir außerdem nachweisen, wie wichtig das Hirnwasser aus Schädel und Rückenmarkkanal für die Hirnfunktion ist", unterstrichen die beiden Wissenschaftler. Da menschliche Nervenzellen und menschliches Hirnwasser besser zusammenpassen, sei bei der Übertragung dieser bisher nur mit Mäusezellen erprobten Diagnose-Methode auf den Menschen mit noch präziseren Ergebnissen zu rechnen.

Abstract der Studie "Cerebrospinal fluid of brain trauma patients inhibits in vitro neuronal network function via NMDA receptors"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »