Ärzte Zeitung online, 25.01.2010

EPO schützt Frühchen vor Behinderung

HANNOVER (dpa). Das oft als Dopingmittel missbrauchte EPO kann vielen Frühgeborenen zu einem besseren Leben verhelfen. Die Arznei zur Behandlung von Patienten mit Blutarmut führte dazu, dass extrem kleine Frühchen mit Hirnblutung seltener behindert und deutlich intelligenter waren, als solche, die kein EPO bekommen hatten.

Das fanden Mediziner aus Hannover heraus. Für die Langzeitstudie untersuchten Kinderärzte und Psychologen von 1993 bis 1998 zunächst 200 Neugeborene unter 1000 Gramm. Zehn Jahre nach ihrer Geburt wurden die Kinder erneut untersucht.

"Offenbar schützt EPO das Gehirn vor den Folgen der Hirnblutung, die mit Nervenzellschädigungen einhergeht", sagte der Frühchenspezialist Dr. Achim-Peter Neubauer, Chefarzt der Klinik für Neonatologie am Hildesheimer St. Bernward Krankenhaus. Er und seine Kollegen fanden heraus, dass EPO auch Wachstum und Regeneration von Nervenzellen unterstützt.    

Trotz Hirnblutung entwickelten sich 52 Prozent der behandelten Frühchen geistig und körperlich normal im Unterschied zu nur sechs Prozent der Vergleichsgruppe. Der Intelligenzquotient bei den Schulkindern, die als Frühchen EPO bekommen hatten, lag höher. 62 Prozent von ihnen hatten einen normalen IQ über 85, während es in der Vergleichsgruppe nur 24 Prozent waren. Die Mediziner kamen zu dem Ergebnis, dass durch die EPO-Behandlung die Chance auf eine normale Entwicklung ungefähr so gut war wie bei Kindern ohne Hirnblutung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »