Freitag, 19. März 2010
Ärzte Zeitung online, 28.01.2010

Direkte Verwandlung von Zellen aus Bindegewebe in Neuronen gelungen

PALO ALTO (ple). Bereits spezialisierte Zellen wie Fibroblasten lassen sich offenbar direkt in Neuronen verwandeln - ohne den schwierigen Umweg über embryonale Stammzellen oder über die Herstellung induzierter pluripotenter Stammzellen (iPS), also über die Verjüngung bereits ausgereifter Zellen.

Gelungen ist dieser Erfolg auf dem Weg zu gezüchtetem Gewebeersatz jetzt einer US-Forschergruppe um Professor Marius Wernig von der Stanford University School in Palo Alto (Nature online). Auch wenn diese Ergebnisse bisher ausschließlich mit Fibroblasten von Mäusen erreicht worden sind, werden sie dazu beitragen, eines Tages bei der Gewebezüchtung für künftige Transplantationen - etwa bei Morbus Parkinson oder Diabetes mellitus - auf humane embryonale Stammzellen verzichten zu können.

Um die Fibroblasten in Nervenzellen zu verwandeln, haben die Forscher drei Gene aus einem Pool von 19 verschiedenen getesteten Genen mithilfe einer viralen Genfähre in die Zellen geschleust - nämlich die Gene Ascl1, Brn2/Pou3f2 und Myt1l. Diese Gene sind nur in Neuronen aktiv. Die genetisch veränderten Zellen erzeugten bereits nach einer Woche spontan Aktionspotenziale. Und: Wurden die Neuronen in der Kulturschale auf Nervenzellen aus dem Großhirn neugeborener Mäuse ausgebreitet, bildeten sich sogar funktionsfähige Synapsen, so dass sie Nervensignale aus Kortexzellen empfangen konnten. Nach Ansicht der Forscher um Wernig soll als nächstes versucht werden, andere sehr stark spezialisierte Zellen wie T- und B-Lymphozyten mit der neuen Methode direkt in Neuronen zu verwandeln.

Bisher gelang die Zellzüchtung - zum Beispiel von Neuronen, Blutzellen oder auch Fotorezeptoren - nur mithilfe von embryonalen Stammzellen oder iPS, die etwa aus Hautzellen durch Reprogrammierung gewonnen werden. iPS-Zellen, die zwar embryonalen Stammzellen sehr ähnlich, aber nicht identisch mit ihnen sind, wurden Ende 2007 als Durchbruch in der Grundlagenforschung gefeiert. Inzwischen lassen sich spezialisierte Zellen sogar ohne Genveränderungen nur mit wenigen Eiweißfaktoren verjüngen. Noch sind allerdings mögliche Gefahren solcher Stammzellen, etwa die Entwicklung von Tumoren, nicht vollständig ausgeräumt.

Weitere Top-Meldungen

Arzneiausgaben sind im Januar rückläufig

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel und Impfstoffe sind im Januar 2010 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,6 Prozent auf 2,314 Milliarden Euro gesunken. Ein Motor der Entwicklung war im Januar der teilweise stark rückläufige Markt für Präparate gegen grippale Infekte oder Erkältungskrankheiten. mehr »

Teva wird mit ratiopharm Europas Nr. 1

Teva, die Nummer eins im weltweiten Generikamarkt, übernimmt den deutschen Wettbewerber ratiopharm aus Ulm. Das teilten die Unternehmen am Donnerstag mit. Der Verkaufspreis beträgt 3,625 Milliarden Euro. mehr »

Für Alte und chronisch Kranke ist die private Krankenversicherung nicht geeignet

Die Kapitaldeckung in der PKV soll eigentlich vor übermäßig steigenden Prämien im Alter schützen. Genau das tut sie nicht. Der Grund: Es gibt keinen Wettbewerb im Versichertenbestand. Motor der Geschäftspolitik ist die Risikoselektion. mehr »