Ärzte Zeitung online, 20.02.2010

Sexualhormon soll Todesrate nach Schädel-Hirn-Trauma reduzieren

SAN DIEGO (dpa). Mit einem Sexualhormon wollen US-Forscher künftig schwere Kopfverletzungen durch Unfälle behandeln. Erste Studien hatten gezeigt, dass die Behandlung mit Progesteron die Todesrate durch ein Schädel-Hirn-Trauma um die Hälfte senkt.

Sexualhormon soll Todesrate nach Schädel-Hirn-Trauma reduzieren

Progesteron soll auch die Rückkehr ins Alltagsleben erleichtern. © Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Sowohl Männer als auch Frauen haben kleine, aber messbare Reservoirs des Sexualhormons im Hirn. Das menschliche Hirn ist reichlich mit Progesteron-Rezeptoren ausgestattet. Laborstudien zufolge ist das Hormon entscheidend für die normale Entwicklung der Nervenzellen im Hirn und erfüllt Schutzfunktionen für verletztes Hirngewebe. Dies entdeckte Studienleiter Professor Donald Stein von der Emory Universität in Atlanta.

Seinen Angaben nach verbessert das Sexualhormon Progesteron nicht nur die Überlebenschance nach einem Schädel-Hirn-Trauma, sondern dürfte vielen Unfallopfern mit einem weniger schweren Trauma helfen, später wieder ihrem Beruf nachzugehen.

Trotz tausender Betroffener im Jahr gebe es noch immer keine neuen durchschlagenden Therapien für Hirntrauma-Patienten, so Stein. Er stellte das neue Projekt am Freitag auf der Jahrestagung des amerikanischen Wissenschaftsverbandes AAAS in San Diego vor.

Stein war schon vor 25 Jahren in seinem Labor aufgefallen, dass männliche Ratten schwerer unter einem Hirntrauma litten als weibliche. Besonders dann, wenn die Rattenfrauen gerade in der Phase ihres Zyklus waren, in denen ihr Körper mehr Progesteron produzierte.

Stein machte die Probe aufs Exempel und spritzte Rattenmännern nach Crash-Versuchen Progesteron. Daraufhin sank ihre Todesziffer und sie wurden auch eher wieder mobil.

Die Nationale Gesundheitsbehörde (NIH) der USA fördert jetzt die letzte Phase eines klinischen Tests mit 1140 Patienten.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des amerikanischen Wissenschaftsverbands

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »