Ärzte Zeitung online, 02.03.2010

Das Peptid Vasopressin hilft bei der sozialen Kommunikation

MAGDEBURG (eb). Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, eine bisher unbekannte Funktion von Vasopressin nachzuweisen. Das spezielle Peptid wirkt als Signalmolekül auch innerhalb des Gehirns und beeinflusst unter anderem das soziale Zusammenleben.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Schottland, Japan und Deutschland hat den bereits bekannten Funktionen von Vasopressin eine weitere hinzufügen können: Vasopressin kontrolliert im Gehirn die Verarbeitung von Duftstoffsignalen, die das soziale Zusammenleben bestimmen. Zunächst bei Labornagern erkundet, gibt es erste Hinweise darauf, dass dieses Prinzip auch für den Menschen Bedeutung hat. Zwar wusste man schon seit längerem, dass spezielle Rezeptoren für Vasopressin im Riechkolben existieren. Unklar aber war, woher das den Rezeptoren zugedachte Vasopressin stammt und wie es dort die Duftwahrnehmung beeinflusst. Unter Verwendung von Ratten mit speziellen Mutationen gelang es nun, in unmittelbarer Nähe zu den Rezeptor tragenden andere Nervenzellen nachzuweisen, die das Vasopressin produzieren. Dort freigesetzt erleichtert es das Wiedererkennen von Artgenossen.

Eine Arbeitsgruppe um Professor Mario Engelmann vom Institut für Biochemie und Zellbiologie der Uni Magdeburg fand heraus, dass Vasopressin ein wichtiges Signalmolekül in einem "Filtersystem" ist, das bei wiederholtem Kontakt mit Artgenossen gleichsam angeschaltet wird.

Das im Gehirn gebildete, aus neun Aminosäuren bestehende Peptid Vasopressin war lange Zeit nur als nierenwirksames antidiuretisches Hormon bekannt. Es wirkt jedoch auch innerhalb des Gehirns und sorgt für die Regulation der Körpertemperatur, die Steuerung von Emotionen und die Antwort auf Stress. Naheliegend, dass Vasopressin mit psychischen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht wird, etwa mit Depression und Autismus.

Zum Abstract der Originalstudie: "An intrinsic vasopressin system in the olfactory bulb is involved in social recognition"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »