Samstag, 11. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 01.03.2010

Wie können Ärzte das Bewusstsein eines Patienten messen?

WÜRZBURG (eb). Ein europaweites Forschungsprojekt wird sich mit dem Bewusstsein von Patienten beschäftigen, die nach einem Unfall oder wegen einer Krankheit sich nicht mehr aus eigener Kraft mitteilen können. Es sollen unter anderem Werkzeuge entwickelt werden, mit denen das Klinikpersonal feststellen kann, ob ein Patient noch Bewusstsein hat oder nicht.

Wie können Ärzte das Bewusstsein eines Patienten messen?

Mit Hirnströmen Computer bedienen können wäre eine Option für Menschen nach Hirnverletzungen. © Andrea Danti / fotolia.com

Im ersten Teil des Forschungsprojektes soll eine Art "Werkzeugkiste" entwickelt werden. Mit deren Hilfe soll das Klinikpersonal einfach und mit größtmöglicher Sicherheit feststellen können, ob ein Patient noch über Bewusstsein verfügt, so Professor Andrea Kübler. Kübler ist Psychologin an der Uni Würzburg und Koordinatorin des Projektes. Die Werkzeuge dafür sind schon bekannt: "Man präsentiert dem Patienten bestimmte Töne in Kombination mit verschiedenen Anweisungen und kontrolliert die Reaktion seiner Hirnströme", erklärt Kübler. Die gemessene Reaktion lässt dann Schlüsse über den Grad des Bewusstseins zu.

Neu ist dieses Verfahren nicht - "in den Kliniken ist es aber bisher noch nicht angekommen", so Kübler. Der Forschungsverbund hat deshalb das Ziel, die Methode so zu verfeinern und zu verbessern, dass auch Laien damit arbeiten können.

Im zweiten Teil soll eine Technik für Patienten entwickelt werden, die tatsächlich noch einen bestimmten Grad an Bewusstsein haben, sich aber nicht mehr mitteilen können. Die Technik dazu gibt es schon: "Gehirn-Computer-Schnittstelle". Mit Hilfe eines Elektroenzephalographs, der die Gehirnströme misst, und weiteren bildgebenden Verfahren und mit einer geeigneten Software können Menschen nach etwas Training alleine kraft ihrer Gedanken etwa dem Computer einen Text diktieren oder im Internet surfen. Der Computer präsentiert dem Patienten zum Beispiel eine Reihe von Buchstaben und erkennt anhand der Reaktion des Gehirns, auf welchen Buchstaben dieser seine Konzentration richtet.

"Unser Ziel ist es, diese Technik so zu vereinfachen, dass sie ohne großen Aufwand und hohen Schulungsbedarf zum Einsatz kommen kann", sagt Kübler. Die einfach strukturierte Gehirn-Computer-Schnittstelle erlaubt es dem Patienten dann, auf Fragen mit "Ja" und "Nein" zu antworten.

Das Forschungsprojekt wird von der EU in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 2,9 Millionen Euro gefördert wird. Nach Würzburg werden davon rund 400 000 Euro fließen.

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