Ärzte Zeitung online, 28.04.2010

Hilfe für traumatisierte Patienten: Studie zu EMDR-Therapie gestartet

MÜNCHEN (eb). Die Klinik für Psychosomatische Medizin des Klinikums rechts der Isar der TU München startet ein Forschungsprojekt zur Behandlung von Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Es werden noch Teilnehmer gesucht.

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EMDR-Behandlung durch Privatdozent Martin Sack. 
© Klinikum rechts der Isar

Untersucht werden die Wirkmechanismen der EMDR-Methode. EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist ein Verfahren zur Behandlung von Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Bei dieser Methode folgt der Patient mit den Augen der sich hin und her bewegenden Hand des Therapeuten, während er sich an das belastende Erlebnis erinnert.

Die Wirksamkeit der EMDR-Behandlung ist wissenschaftlich bereits sehr gut nachgewiesen. Dennoch ist nach wie vor unklar, ob der spezifische Effekt durch die bilaterale Stimulation durch Augenbewegungen erfolgt und die Therapie auf diese Weise ähnliche Verarbeitungsprozesse wie der REM-Schlaf aktiviert. In dieser Schlafphase bewegen sich die Augen schnell hin und her und es wird intensiv geträumt.

Andere Hypothesen gehen davon aus, dass der Blick auf die bewegte Hand Orientierungsreaktionen auslöst oder dass durch den dualen Aufmerksamkeitsmodus während der Exposition eine gezielte Ablenkung stattfindet.

In der randomisiert-kontrollierten Studie überprüfen die Wissenschaftler bei insgesamt 192 Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung nun diese verschiedenen Hypothesen. Dafür vergleichen sie in jeweils drei Sitzungen die Anwendung von EMDR mit bilateraler Stimulation durch die bewegte Hand mit zwei Kontrollbehandlungen: EMDR mit Blick auf die unbewegte Hand sowie Exposition ohne visuelle Aufmerksamkeitsfokussierung.

Außerdem untersuchen sie mittels Impedanzkardiografie stimulationsassoziierte Veränderungen der autonom-vegetativen Regulationslage während der Behandlungssitzungen.

Die Studie soll folgende Fragen beantworten:

  • Ist EMDR unter Einsatz von Stimulation durch Augenbewegungen Kontrollbehandlungen ohne Stimulation überlegen?
  • Ist die Ablenkung durch einen dualen Aufmerksamkeitsfokus ein Wirkfaktor der EMDR-Behandlung?
  • Sind die während EMDR zu beobachtenden Orientierungsreaktionen mit der Induktion von Augenbewegungen assoziiert?

Privatdozent Martin Sack, Oberarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin, ist am Klinikum rechts der Isar für die Studie verantwortlich. Er setzt große Erwartungen in das Projekt: "Wir gehen davon aus, dass die Studie einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Wirkmechanismen der EMDR-Behandlung erbringen wird. Damit bietet sie eine Grundlage für weitere Verbesserungen der psychotherapeutischen Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörungen."

Die ersten Behandlungen im Rahmen der Studie haben bereits begonnen, wie die Universität mitteilt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die experimentelle Studie, die in Kooperation mit der Justus-Liebig Universität Gießen durchgeführt wird, zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren.

Es werden noch Patienten gesucht, die an posttraumatischer Belastungsstörung leiden und einen Therapiewunsch haben. Kontaktaufnahme über Dr. Dipl.-Psych. Julia Körner (089 / 4140 - 6435) oder Privatdozent Martin Sack (089 / 4140 - 4312).

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