Ärzte Zeitung online, 07.07.2010

Blutzellen lassen sich recht einfach zu Stammzellen verjüngen

TOKIO (ple). Aus Zellen des im peripheren Gefäßsystem zirkulierenden Blutes lassen sich offenbar recht einfach induzierte pluripotente Stammzellen herstellen. Dazu reicht bereits ein Milliliter Blut.

Blutzellen lassen sich recht einfach zu Stammzellen verjüngen

Professor Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto.

© Gladstone-Institut

Die induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) sind in den vergangenen Jahren zum begehrten Forschungsobjekt geworden. Da sie humanen embryonalen Stammzellen in ihren Eigenschaften sehr ähnlich sind, erhoffen sich Forscher, solche Zellen bald auch therapeutisch nutzen zu können.

Jetzt haben japanische Wissenschaftler ausdifferenzierte T-Lymphozyten des peripheren Blutes erfolgreich reprogrammiert (Cell Stem Cell, online). Dafür reichte ihnen das Blutvolumen von nur einem Milliliter. Die für die Verjüngung der Zellen erforderlichen und bereits erfolgreich genutzten vier Faktoren - Oct3/4, Sox2, Klf4 und c-MYC - wurden in Form ihrer Gene in die Zellen eingeschleust. Anders als andere Wissenschaftler verwendeten die japanischen Forscher dazu Sendai-Viren. Vorteil dieser Viren: Ihr Erbgut besteht jeweils aus einem einzigen RNA-Strang, und es integriert sich nicht wie retrovirale Genome in das Erbgut der T-Zellen - ein wichtiger Sicherheitsaspekt.

Die Reprogrammierung gelingt in wenigen Tagen

Auch zwei andere Arbeitsgruppen, und zwar aus den USA, berichten jetzt über die erfolgreiche Reprogrammierung von Zellen aus dem peripheren Blut Erwachsener - ebenfalls in Cell Stem Cell, online. Allen drei Arbeitsgruppen ist gemeinsam, dass sie für ihre Versuche peripheres Blut verwenden konnten, ohne die Blutspender vorher spezifisch zu behandeln: In bisherigen Versuchen erhielten die Probanden den Wachstumsfaktor G-CSF zur Mobilisierung der Blutzellen aus dem Knochenmark gespritzt.

Auf einen weiteren wichtigen Punkt macht Professor Shinya Yamanaka aus Kyoto, der Pionier der iPS-Forschung, aufmerksam: Weil die Reprogrammierung innerhalb weniger Tage gelingt, ist das Risiko für schädliche Mutationen in den verjüngten Zellen gering (Cell Stem Cell, online). Seiner Ansicht nach werden sich Stammzellforscher künftig immer seltener die bisher genutzten ausdifferenzierten Hautfibroblasten Erwachsener verwenden und stattdessen auf Zellen aus dem peripheren Blut zurückgreifen.

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