Ärzte Zeitung online, 19.08.2010

Neurologe: "Nach dem Urlaub sind wir urlaubsreif"

Wer in den Urlaub fährt, will meist Kraft für den Alltag tanken. Dieser Effekt verpufft nach der Rückkehr jedoch rasch, sagt Dr. Gerd Kötschau, Chefarzt der Auguste-Viktoria-Klinik im ostwestfälischen Bad Lippspringe. Der Nachrichtenagentur dpa erklärte der Neurologe, warum das so ist und was man dagegen tun kann.

Herr Dr. Kötschau, warum sind wir nach dem Urlaub gleich wieder urlaubsreif?

Kötschau: "Vor dem Urlaub sind unsere Batterien häufig fast leer. In der freien Zeit werden sie dann aber nicht unbedingt wieder aufgefüllt. Die Stresshormone, die in unserem Blut schwimmen, klingen erst in der zweiten oder dritten Woche ab. Das führt dazu, dass wir in der ersten Urlaubswoche häufig schlecht schlafen. Kommt man dann aus dem Urlaub wieder, findet man meist viele E-Mails vor oder viel Post auf dem Schreibtisch. Das wollen wir dann so schnell wie möglich weghaben. Der Stress fährt also sofort wieder in den Körper, wir sind angespannt. Unsere fast leeren Batterien entleeren sich dann komplett. Das führt dazu, dass wir uns innerhalb von drei Tagen schon wieder krank fühlen. Wir sind also gleich wieder urlaubsreif."

Wie bedenklich ist das?

Kötschau: "Die Folgen sollten ernst genommen werden. Die häufigsten Beschwerden, die dann auftreten, sind ein schnellerer Herzschlag, Kopf- und Rückenschmerzen. Das Ganze kann aber auch so schlimm werden, dass man in einen Burnout rutscht."

Was kann man dagegen tun?

Kötschau: "Am besten erstmal eine Tasse Tee trinken. Tief durchatmen und versuchen, innerlich eine gewisse Distanz zur Arbeit zu gewinnen. Man sollte versuchen, Schritt für Schritt, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, alles abzuarbeiten. Hilfreich wäre es, Entspannungstechniken zu erlernen. Das kann man auch am Arbeitsplatz tun, indem man die Aufmerksamkeit nach innen lenkt, auf seinen Puls achtet und darauf, wie hektisch die Atmung abläuft. Das kann man auch mit offenen Augen tun. Die Kollegen müssen davon nichts mitbekommen."

Das Interview führte Silke Katenkamp, (dpa)

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