Ärzte Zeitung online, 03.02.2011

Prionen in Blutspenden: Forscher entwickeln Test-Prototyp

LONDON (ple). Britische Forscher haben einen Test zum Nachweis von Prionen erfolgreich getestet, mit dem sich der Erreger der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) im Blut nachweisen lässt.

Prototyp eines Tests auf Prionen in Blutspenden entwickelt

Blutkonserven-Depot: Eine neuer Test könnte künftig Prionen in Blutspenden nachweisen.

© dpa

Bisher gab es kein Testsystem, mit dem der vCJK-Erreger im Blut entdeckt werden kann. Wie Wissenschaftler um den Neurologen Professor John Collinge von der Nationalen Prion-Klinik in London berichten, war der von ihnen entwickelte Test bei 15 von 21 Blutproben, die von vCJK-Patienten stammten, positiv.

Dagegen waren alle Tests mit Proben von Kontrollpersonen ohne vCJK negativ (The Lancet online). Damit liegt die Sensitivität des Tests bei mehr als 70 Prozent und die Spezifität bei 100 Prozent.

Nach Angaben der Forscher ist der Test viel sensitiver als die bisherigen Testsysteme und spürt die vCJK auslösenden Prionen noch in Flüssigkeiten mit 100.000-fach stärkerer Verdünnung als in bisherigen Tests auf. Sie glauben, dass ein solcher Test geeignet ist, Blutspenden auf den vCJK-Erreger hin zu überprüfen.

Die Erprobung des neuen Testsystems hat Hinweise erbracht, dass Patienten, die bereits an vCJK erkrankt sind, offenbar höhere Konzentrationen an krank machenden Prionen im Blut haben als bisher angenommen.

Zudem ist der Test in der Lage, selbst geringe Mengen von anormalen Prionen in Pico- oder gar Femtogramm-Bereich - also im drillionstel oder quadrillionstel Grammbereich - aufzuspüren. Und das aus einer Prionmenge, die übermäßig viele physiologische Prionen enthält.

Unklar ist allerdings, wie gut der Test beim Nachweis pathologischer Prionen im Blut von asymptomatischen vCJK-Patienten ist, gibt Dr. Luisa Gregori von der US-Zulassungsbehörde FDA in ihrem Kommentar zur Publikation zu bedenken.

Man geht davon aus, dass diese Prionen bei diesen Patienten nur in sehr geringen Mengen im Blut vorkommen.

[05.02.2011, 20:49:10]
Dr. Horst Grünwoldt 
Phantom BSE
Der Herr Collinge (Biochemiker) aus England hat schon Ende der 80er Jahre völlig unrealistische Horror-Szenarien bezüglich der Zunahme von vCJD- Erkrankungen wegen des Verzehrs von BSE- Fleisches verkündet. Nach wie vor behauptet er,-wie auch alle anderen Prionen-Experten-, daß die "neue" Form der Creutzfeld-Jacob-Krankheit durch "BSE-like-Prion"- Eiweiß als ein hypothetisches, infektiöses Agens verursacht sein soll. Nunmehr sollen diese Strukturproteine sogar im Blut zirkulieren und nachweisbar sein. Dies widerspricht ganz und gar der FLI- Hypothese, wonach angeblich die krankmachenden Prionen zentripedal auf Nerven ins ZNS einwandern sollen, gewissermaßen als "Dominoeffekt". Wem soll man nunmehr noch Glauben schenken? Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, FTA für Mikrobiologie i.R. aus Rostock zum Beitrag »

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