Ärzte Zeitung, 27.02.2011

Delle im Daumenballen war Folge eines Karpaltunnelsyndroms

Eine Daumenballenatrophie in Kombination mit einer kraftlosen Hand kann mehrere Ursachen haben. Bei einem Patienten steckte ein Karpaltunnelsyndrom dahinter.

Von Thomas Meißner

Delle im Daumenballen war Folge eines Karpaltunnelsyndroms

Thenaratrophie: Der Daumenballen ist nicht konvex ausgebildet, sondern konkav eingefallen.

© PD Dr. A. Schuh/ Dr. W. Hönle

NEUMARKT I. D. OPF. Kraftlosigkeit in der linken Hand und eine Delle im Daumenballen führten bei einem Mann zur richtigen Verdachtsdiagnose: Karpaltunnelsyndrom.

Der 64 Jahre alte Patient stellte sich wegen seiner kraftlosen linken Hand bei den Orthopäden des Klinikums Neumarkt in der Oberpfalz vor. Auf den ersten Blick war eine deutliche Thenaratrophie zu erkennen, so Privatdozent Alexander Schuh und Dr. Wolfgang Hönle (MMW 2010, 47: 5).

Geschädigt sind bei der Daumenballenatrophie der M. abductor pollicis brevis und der M. opponens pollicis. Ursachen können ein Wurzelkompressionssyndrom in Höhe C 6/7 sein oder ein Karpaltunnelsyndrom mit Kompression des Nervus medianus.

Differentialdiagnostisch kommt auch ein Pronator-teres-Syndrom infrage, bei dem der N. medianus auf Höhe des M. pronator teres komprimiert wird - dabei sind Druckschmerzen über dem Muskel auslösbar, und es bestehen Schmerzen, wenn man den Unterarm gegen Widerstand in Pronation drehen lässt.

Typisch für das Karpaltunnelsyndrom sind sensible Störungen, die nicht unbedingt wie in Lehrbüchern beschrieben auftreten müssen. Oft seien nur einzelne Fingerkuppen betroffen, so Schuh und Hönle.

Später kommen motorische Störungen hinzu: Die Patienten bemerken die Daumenschwäche, dann wird die Muskelatrophie sichtbar. Besonders betroffen sind Patienten im mittleren bis höheren Lebensalter.

Prädisponierend sind manuelle Tätigkeiten, aber auch Adipositas, rheumatische Krankheiten, Diabetes mellitus, Gicht, Myxödeme, Akromegalie und Dysproteinämien.

Bei dem Patienten lagen allerdings keine prädisponierenden Faktoren vor. Neurologen sicherten die Diagnose Karpaltunnelsyndrom mit der Messung der Nervenleitgeschwindigkeit sowie einem Elektromyogramm.

Intraoperativ fand sich ein verdicktes Retinaculum flexorum, so Schuh im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Nach der Operation war der Patient beschwerdefrei, die Thenaratrophie besserte sich, hat sich bislang jedoch noch nicht komplett zurückgebildet.

Bei geringgradig ausgeprägtem Karpaltunnelsyndrom könne versucht werden, mit einer Nachtschiene zu behandeln oder einmalig ein Kortikosteroid in den Karpaltunnel zu instillieren, so Schuh und Hönle. In der Regel jedoch ist fast immer die offene oder endoskopische Operation erforderlich.

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