Ärzte Zeitung online, 19.02.2011

Stimulation des Hirns hilft bei Zwangsneurosen

WASHINGTON (dpa). Wenn Menschen von ihren Zwangsneurosen fast in den Wahnsinn getrieben werden, können Chirurgen jetzt die Notbremse ziehen. Sie pflanzen nach Angaben von US-Experten den Patienten hauchdünne Elektroden tief ins Hirn. Dort stimulieren elektrische Impulse dann den Schaltkreis, der Depressionen, schweren Neurosen und anderen psychiatrischen Krankheiten beeinflusst.

In den USA wurden bisher etwa 50 Zwangsneurotiker dem riskanten Eingriff unterzogen, wie US-Experten bei der Jahrestagung des amerikanischen Wissenschaftsverbandes AAAS in Washington am späten Freitag berichteten. Die Stimulation des Hirns über Elektroden hatte sich zuvor bei Patienten mit Morbus Parkinson und Tremor als erfolgreich erwiesen.

Die ersten Studien wurden nach Angaben des Neurologen Mahlon DeLong an der Emory Universität in den Niederlanden und Belgien gewagt. Inzwischen hätten schon mindestens 70 000 Menschen Hilfe von den elektrischen Impulsen tief in ihrem Gehirn erhalten.

Zwangsneurosen sind nicht unüblich, sagte DeLong im Gespräch. Etwa ein Prozent der Bevölkerung leide unter ihnen, die meisten aber an milden Formen. Manche Betroffenen hätten Angst vor Keimen, müssten sich ständig die Hände waschen, ließen sich ungern anfassen und hätten den Drang zum Putzen. Andere werden laut DeLong von der Sorge geplant, etwas vergessen zu haben. Sie prüften laufend nach, ob sie die Tür verschlossen und das Gas abgedreht haben.

Eine weitere Form der Zwangsneurose sei die Sucht nach Ordnung und Gleichmaß. Die davon Betroffene könnten beispielsweise keine verrückten Möbel ertragen, sagte DeLong.

Zum möglichen Kandidaten für den Hirneingriff wird ein Zwangsneurotiker aber erst dann, wenn er nicht mehr in der Lage ist, zu arbeiten und menschliche Kontakte zu halten.

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