Ärzte Zeitung online, 28.07.2011

Krebs bedeutet oft auch psychosoziale Einschränkungen über Jahre

HEIDELBERG (mal). Auch zehn Jahre nach der Diagnose fühlen sich Darmkrebspatienten noch durch ihre Erkrankung beeinträchtigt. Dabei gibt es Unterschiede zwischen Patienten, bei denen das Karzinom vor dem 60. Lebensjahr entdeckt wurde, und Patienten, die bei der Diagnose schon über 70 waren.

Das melden jetzt Wissenschaftler um Privatdozent Dr. Volker Arndt vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg aufgrund der Ergebnisse einer eigenen Langzeitstudie (JCO, online 18. Juli).

In dieser Studie haben sie bei 117 Patienten mit neu diagnostiziertem kolorektalem Karzinom im Verlauf von zehn Jahren mehrfach anhand eines standardisierten Fragebogens Informationen zum Gesundheitszustand und zur Lebensqualität erhoben.

Die Ergebnisse für die Gesamtgruppe der Patienten sind nicht überraschend. Denn: Der Tumor und seine Behandlung hinterlassen auch langfristig Spuren.

Alle Betroffenen berichteten von langfristigen Handicaps, speziell Verdauungsproblemen wie Durchfall und Verstopfung. Aber: Die Entwicklung der Lebensqualität in kognitiven, sozialen und emotionalen Bereichen hing vom Alter bei der Diagnosestellung ab.

In der Gruppe der jüngeren Patienten, deren Tumor vor dem 60. Lebensjahr entdeckt wurde, war die Lebensqualität eher durch seelische und gesellschaftliche Probleme geschmälert, teilt das DKFZ zur Studie mit.

Vor allem Einschränkungen bei Arbeit, Hobbys und alltäglichen Beschäftigungen seien häufig genannt worden. Dazu kämen Konzentrationsprobleme, Müdigkeit und Schlafstörungen. Zwar besserten sich diese Symptome in den ersten Jahren nach der Diagnose, aber sie waren auch nach zehn Jahren noch präsent.

Die ältesten Patienten, deren Krebs jenseits der 70 diagnostiziert wurde, hatten dagegen in den ersten Jahren nach der Diagnose einen ähnlichen oder sogar besseren Gesundheitszustand als gleichaltrige Personen ohne Darmkrebserkrankung.

Erst nach fünf bis zehn Jahren berichteten sie über ähnliche gesundheitliche Einschnitte wie jüngere Patienten, darunter häufig Atemnot, heißt es in der Mitteilung des DKFZ.

Doch trotz dieser speziellen Einschränkungen schätzten diejenigen, welche die Krebserkrankung überstanden hatten, ihre gesundheitliche Verfassung und ihre Lebensqualität insgesamt ähnlich der von Kontrollpersonen ein.

Die Forscher vermuten, dass ältere Patienten andere Strategien haben, mit der Diagnose Darmkrebs umzugehen als jüngere. Möglich sei auch, dass unterschiedliche Therapieverfahren in den ersten Jahren von Bedeutung seien - ältere Patienten erhalten weniger Chemo- und Strahlentherapie.

Die DKFZ-Wissenschaftler sehen es nun als besonders wichtig an zu erforschen, welche Faktoren neben dem Alter die Langzeitfolgen einer Krebserkrankung beeinflussen. Außerdem müssten auch die als geheilt entlassenen Krebspatienten nach dem Ende der Therapie weiter unterstützt werden.

"Aus unserer Sicht ist insbesondere die psychologische Betreuung der Patienten sehr wichtig, da sich die Einschränkungen am häufigsten im psychosozialen Bereich zeigen", wird Arndt in der Mitteilung des DKFZ zitiert.

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