Ärzte Zeitung online, 06.08.2011

Molekül p300: ein Ansatz zur Therapie bei Querschnittlähmung?

TÜBINGEN (eb). Hirnforscher setzen auf das Molekül p300, um bei Neuronen die Regenerationsfähigkeit zu bessern. Eine Chance für Querschnittgelähmte?

Wissenschaftler des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) am Universitätsklinikum Tübingen haben einen molekularen Mechanismus entdeckt, der die Regenerationsfähigkeit verletzter Neurone kontrolliert (Brain 2011; 134 (7): 2134).

Aus dieser Erkenntnis könnte ein neuer Behandlungsansatz unter anderem für querschnittgelähmte Menschen entstehen.

Nach einer Schädigung des Zentralen Nervensystems, etwa durch eine Verletzung des Gehirns, des Rückenmarks oder durch einen Schlaganfall, entsteht im Gehirn oder Rückenmark bekanntlich eine für Neuronen regenerationsfeindliche Umgebung unter anderem durch Narbenbildung.

Außerdem fehlt den adulten ZNS-Nervenzellen die Fähigkeit nachzuwachsen, erinnert das HIH in einer Mitteilung. Eine neuronale Regeneration und funktionelle Wiederherstellung des ZNS ist somit ausgeschlossen.

Molekül p300 beeinflusst die Genexpression

Dr. Perrine Gaub und Dr. Simone Di Giovanni vom HIH untersuchten das epigenetische Molekül Acetyltransferase p300, teilt das HIH mit. Es reguliert den Komplex aus DNA und Proteinen in der Nähe von Genen und beeinflusst die Genexpression.

Nach einer Schädigung der Axone, etwa durch Verletzungen des Gehirns, des Rückenmarks oder durch einen Schlaganfall, sei dieses Programm zur Genexpression inaktiv.

Die Tübinger Wissenschaftler hätten erstmals nachgewiesen, dass ein epigenetisches Molekül wie p300 nach einer Schädigung des Nervenfortsatzes inaktive Programme zur Genexpression in Nervenzellen wieder aktivieren kann.

Sie entdeckten damit einen molekularen Mechanismus, der die Regenerationsfähigkeit verletzter Nervenzellen kontrolliert.

Mausmodell bringt vielversprechende Resultate

Die Autoren bedienten sich eines viralen Ansatzes in einem Mausmodell: Das virale Einbringen von p300 in den geschädigten Sehnerv des Mausmodells führte zu einer deutlichen Regeneration des Nervenfortsatzes.

Die Verstärkung der Expression durch eine erhöhte Verabreichung von p300 könnte demnach ein neuer Ansatz für eine regenerative Behandlung bei Verletzungen des Rückenmarks oder Gehirns darstellen, so die Vermutung der Forscher.

"Für Vorhersagen zu einer klinischen Anwendung von p300 ist es noch zu früh. Aber ein verbessertes Wachstum der Nervenfortsätze könnte die neurologische Funktion nach Gehirn- oder Rückenmarksverletzungen verbessern," zitiert die HIH Di Giovanni in der Mitteilung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »