Ärzte Zeitung online, 03.08.2011

Darum kommt es zum "Filmriss" nach dem Saufgelage

US-Forscher sind dem Phänomen „Filmriss“, der nach Alkoholexzessen auftreten kann, auf die Spur gekommen. In Versuchen mit Ratten haben sie herausgefunden, was die Ursache für die temporären Gedächtnislücken ist.

Von Thorsten Schaff

Darum entsteht der "Filmriss" nach zu viel Alk

Vom Whisky zum Filmriss - die Rezeptoren sind Schuld.

© Ned White / fotolia.com

ST. LOUIS. Wer zu sehr dem Alkohol frönt, kann im betrunkenen Zustand zwar noch in der Lage sein, sich zu unterhalten, zu tanzen oder gar noch Auto zu fahren - doch womöglich kann er sich tags darauf nicht mehr daran erinnern.

Diese Zeit der Gedächtnislücken werden im Volksmund Filmriss genannt und können mehrere Minuten oder sogar Stunden umfassen.

Was während eines Blackouts im Gehirn des Betrunkenen abläuft, war bislang unbekannt. Neuroforscher der Washington University in St. Louis (Missouri) gingen diesem Phänomen nach und entdeckten nun eine Ursache.

NMDA-Rezeptoren werden verändert

Das Team von Dr. Kazuhiro Tokuda, Dr. Yukitoshi Izumi und Dr. Charles F. Zorumski fand in Versuchen mit Ratten heraus, dass der sogenannte Filmriss durch eine Störung der NMDA-(N-Methyl-D-Aspartat-)Rezeptoren, die für Erinnerungsprozesse zuständig sind, versursacht wird (JNEUROSCI 2011; 31(27): 9905).

Sie erklärten den Prozess wie folgt: Durch zu viel Alkohol werden einige NMDA-Rezeptoren gehemmt, andere aktiviert. Diese gegensätzlichen Aktivierungszustände stören die Signalübertragung und bringen Nervenzellen dazu, Steroide zu bilden.

Diese wiederum hemmen die Langzeitpotenzierung (LTP) - eine lang andauernde Verstärkung der synaptischen Übertragung.

Alkohol blockiert die Signale

"Der Alkohol blockiert die Signale von Nervenzellen, dadurch können Erinnerungen nicht entstehen", erklärte Dr. Charles F. Zorumski. "Aber dafür ist sehr viel Alkohol nötig, geringe Mengen haben keinen Einfluss auf die LTP."

Hinweise, dass bei übermäßigem Alkoholkonsum Gehirnzellen beschädigt würden oder abstürben, hätten die Wissenschaftler zu ihrer Überraschung nicht gefunden.

Hippocampus Schritt für Schritt untersucht

In ihren Experimenten hatten die US-Forscher Ratten Ethanol verabreicht und anschließend den Hippocampus der betrunkenen Tiere Schritt für Schritt untersucht.

Dabei stießen sie nach eigenen Angaben auch darauf, den "Filmriss" zu verhindern - obwohl die Ratten sturzbetrunken waren. Hatten sie den Nagern zuvor 5α-Reduktase-Inhibitoren gegeben, kam es nicht dazu, dass die Nervenzellen die LTP-hemmenden Steroide bildeten.

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