Ärzte Zeitung online, 23.09.2011

Fall Rangnick: Wie krank ist die Bundesliga?

Ausgebrannt und kraftlos: Ralf Rangnick ist als Trainer von Schalke 04 zurückgetreten, weil er an einem Erschöpfungssyndrom leidet. Das wirft einmal mehr die Frage auf: Wie krank macht die Bundesliga Fußballer und Trainer?

Von Thorsten Schaff

Nach Rangnicks Rücktritt: Wie krank ist die Bundesliga?

Ralf Rangnick verlässt den FC Schalke 04 nach nur einem halben Jahr.

© Marius Becker / dpa

NEU-ISENBURG. Sein Rücktritt ist für den FC Schalke 04 ein Schock, sein Umfeld scheint davon völlig überrascht worden zu sein: Dass sich Ralf Rangnick erschöpft und kraftlos fühlt und nicht mehr in der Lage, den Fußball-Bundesligisten zu trainieren, haben die Personen um ihn herum nicht bemerkt. Weder Spieler noch Assistenztrainer noch Klubverantwortliche.

"Wir müssen das erst einmal sacken lassen. Das zieht uns den Boden unter den Füßen weg, denn das war vorausschauend nicht erkennbar", sagte Manager Horst Heldt.

"Wir haben es mit einer Krankheit zu tun, die man jemandem nicht an der Stirn ablesen kann. Man kann sich eben nicht zu 100 Prozent in das Seelenempfinden eines Menschen hineinversetzen."

Rangnick informiert Mannschaft selbst

Seppo Eichkorn, bis Rangnicks Rücktritt dessen rechte Hand und einer der engsten Vertrauten, bekannte: "Für mich war es total überraschend. Ein regelrechter Schock."

Er hatte es in der Nacht zuvor erfahren, die Mannschaft wurde von Rangnick selbst vor dem Training informiert. Zu der vom Revierklub eilig anberaumten Pressekonferenz wollte Rangnick allerdings nicht kommen - um weiteren Stress zu vermeiden.

Stellungnahme via Pressemitteilung

Stattdessen gab der 53-Jährige, der vor Schalke in der Bundesliga den VfB Stuttgart, Hannover 96 und 1899 Hoffenheim betreut hatte, eine Stellungnahme via Vereinsmitteilung ab.

"Nach langer und reiflicher Überlegung bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich eine Pause brauche. Mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein und insbesondere die Mannschaft und den Verein in ihrer sportlichen Entwicklung voranzubringen."

Löw: "Mutige und richtige Entscheidung"

Dieses Geständnis, dem großen Druck auf der Trainerbank nicht mehr gewachsen zu sein, nimmt der ganze Profifußball mit Bestürzung auf. Für den Schritt an die Öffentlichkeit zollen ihm die Kollegen Respekt.

"Eine mutige und richtige Entscheidung", findet Bundestrainer Joachim Löw. Und Wolfsburgs Trainer Felix Magath, Rangnicks Vorgänger bei Schalke, sagte, die Entscheidung verdiene allerhöchsten Respekt.

Erstmals berichtet ein Trainer über Erschöpfungssyndrom

Ralf Rangnick ist der erste Bundesliga-Coach, der öffentlich über sein Erschöpfungssyndrom berichtete. Neu ist das Thema Burnout im deutschen Profifußball allerdings nicht.

Und es wirft einmal mehr die Fragen auf, wie krank die Bundesliga ist - und wie krank sie Spieler und Trainer macht.

Burnout bei prominenten Kickern

Erst vor knapp drei Wochen hatte Hannovers Ersatz-Torwart Markus Miller angekündigt, sich wegen mentaler Erschöpfung in einer Klinik behandeln zu lassen.

Im April hatte Zweitliga-Kicker Mike Wunderlich ein Burnout gestanden. Auf eigenen Wunsch hin wechselte er als Leihspieler vom FSV Frankfurt zum Fünftligisten Viktoria Köln, um dort wieder Spaß am Fußball zu entwickeln.

Simak erster Fall

In seine tschechische Heimat hatte sich Jan Simak 2003 verabschiedet, weil er sich - damals in Diensten von Hannover - ausgebrannt fühlte.

Und noch gut in Erinnerung ist das Schicksal des ehemaligen Nationaltorwarts Robert Enke, der an Depressionen litt und im November 2009 den Freitod wählte.

Rangnick in der Heimat

Ralf Rangnick hat sich in seine Heimatstadt Backnang zurückgezogen, um neue Kraft zu tanken. Ein stationärer Aufenthalt ist laut Schalke-Manager Heldt nicht nötig.

Wohl aber eine fachmedizinische Behandlung und eine längere Pause.

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