Dienstag, 16. September 2014
Ärzte Zeitung, 21.01.2013

Kommentar zu Depressionen

Verzerrte Wahrnehmung

Von Thomas Müller

Regelmäßig fragt die DAK, vor welchen Krankheiten sich die Deutschen am meisten fürchten. Zuletzt erreichten Krebserkrankungen den Spitzenplatz, gefolgt von Unfallverletzungen, Schlaganfall, Alzheimer und Herzinfarkt. Psychische Störungen kamen erst an siebter Stelle.

Sicher, die Wahrscheinlichkeit, irgendwann einmal an Krebs zu sterben, ist höher als die für den Tod durch ein psychisches Leiden. Das Risiko, chronisch an der Seele zu erkranken, ist jedoch mit Abstand am höchsten.

Weltweit kosten Depressionen, Ängste und Suchterkrankungen am meisten gesunde Lebenszeit, in Mitteleuropa stehen diese Krankheiten auf Platz zwei nach dem Rückenschmerz, der häufig auch eine Folge oder Umschreibung einer psychischen Störung ist. Weshalb also können oder wollen wir den tatsächlichen Risiken nicht ins Auge schauen?

Ein Faktor ist sicher die immer noch bestehende Tabuisierung. Man spricht über die Erfolge bei Krebs, kennt unzählige Menschen mit Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber kaum jemanden, der offen über seine Depression redet.

Das verzerrt den Blick. Solange wir aber den offenen und öffentlichen Umgang mit seelischen Leiden meiden, haben wir kaum Chancen, sie von ihrem Spitzenplatz zu verdrängen, wir verdrängen nur ihre Wahrnehmung.

Lesen Sie dazu auch:
Weltweites Problem: Volksgeißel Depression

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Schlaftrunkenheit: Jeder Siebte ist beim Aufwachen oft von der Rolle

Sie pinkeln in den Kleiderschrank, schlagen um sich oder versuchen, mit der Wasserflasche am Bett zu telefonieren: Schlaftrunkene sind beim Erwachen verwirrt und noch nicht in dieser Welt. Manche brauchen eine Therapie. mehr »

Hautkrankheiten: Erstdiagnose via App statt in der Arztpraxis

Bei einem Hautproblem - auch im Intimbereich - einfach ein Foto der betreffenden Stelle schießen und dieses dann zur Abklärung via App an einen Dermatologen übermitteln: Was für Patienten in den USA bereits möglich ist, will der deutsche Entwickler auch hierzulande erreichen. Seine Begründung: Die App könnte den Ansturm auf die Praxen mindern. mehr »

Demenzkranke: 1250 lokale Anlaufstellen geplant

Eine gemeinsame Agenda für Menschen mit Demenz haben Gesundheits­minister Hermann Gröhe und Familienministerin Manuela Schwesig vorgestellt. Ausgebaut werden soll die Hilfe vor Ort. mehr »