Ärzte Zeitung, 21.01.2013

Kommentar zu Depressionen

Verzerrte Wahrnehmung

Von Thomas Müller

Regelmäßig fragt die DAK, vor welchen Krankheiten sich die Deutschen am meisten fürchten. Zuletzt erreichten Krebserkrankungen den Spitzenplatz, gefolgt von Unfallverletzungen, Schlaganfall, Alzheimer und Herzinfarkt. Psychische Störungen kamen erst an siebter Stelle.

Sicher, die Wahrscheinlichkeit, irgendwann einmal an Krebs zu sterben, ist höher als die für den Tod durch ein psychisches Leiden. Das Risiko, chronisch an der Seele zu erkranken, ist jedoch mit Abstand am höchsten.

Weltweit kosten Depressionen, Ängste und Suchterkrankungen am meisten gesunde Lebenszeit, in Mitteleuropa stehen diese Krankheiten auf Platz zwei nach dem Rückenschmerz, der häufig auch eine Folge oder Umschreibung einer psychischen Störung ist. Weshalb also können oder wollen wir den tatsächlichen Risiken nicht ins Auge schauen?

Ein Faktor ist sicher die immer noch bestehende Tabuisierung. Man spricht über die Erfolge bei Krebs, kennt unzählige Menschen mit Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber kaum jemanden, der offen über seine Depression redet.

Das verzerrt den Blick. Solange wir aber den offenen und öffentlichen Umgang mit seelischen Leiden meiden, haben wir kaum Chancen, sie von ihrem Spitzenplatz zu verdrängen, wir verdrängen nur ihre Wahrnehmung.

Lesen Sie dazu auch:
Weltweites Problem: Volksgeißel Depression

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Die neuen Abrechnungsziffern im Überblick

Die ambulante Versorgung von Patienten in Alten- und Pflegeheimen wird aufgewertet. Ab Juli gibt es Zuschläge für Betreuung, Behandlungs-Koordination und Besuche durch Praxis-Assistenten. mehr »

Hecken verrät erste Neuerungen

Die Bedarfsplanung soll und wird sich ändern - doch nicht so schnell wie vom Gesetzgeber vorgesehen. Das hat GBA-Chef Hecken angekündigt. Mit der "Ärzte Zeitung" sprach er über geplante Neuerungen. mehr »

ARMIN startet elektronisches Medikationsmanagement

Ärzte und Apotheker managen gemeinsam die Medikation von Patienten: Das ist die Idee der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN). Nun ist die Testphase beendet - ab Freitag startet ARMIN durch. mehr »