Mittwoch, 23. April 2014
Ärzte Zeitung, 21.01.2013

Kommentar zu Depressionen

Verzerrte Wahrnehmung

Von Thomas Müller

Regelmäßig fragt die DAK, vor welchen Krankheiten sich die Deutschen am meisten fürchten. Zuletzt erreichten Krebserkrankungen den Spitzenplatz, gefolgt von Unfallverletzungen, Schlaganfall, Alzheimer und Herzinfarkt. Psychische Störungen kamen erst an siebter Stelle.

Sicher, die Wahrscheinlichkeit, irgendwann einmal an Krebs zu sterben, ist höher als die für den Tod durch ein psychisches Leiden. Das Risiko, chronisch an der Seele zu erkranken, ist jedoch mit Abstand am höchsten.

Weltweit kosten Depressionen, Ängste und Suchterkrankungen am meisten gesunde Lebenszeit, in Mitteleuropa stehen diese Krankheiten auf Platz zwei nach dem Rückenschmerz, der häufig auch eine Folge oder Umschreibung einer psychischen Störung ist. Weshalb also können oder wollen wir den tatsächlichen Risiken nicht ins Auge schauen?

Ein Faktor ist sicher die immer noch bestehende Tabuisierung. Man spricht über die Erfolge bei Krebs, kennt unzählige Menschen mit Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber kaum jemanden, der offen über seine Depression redet.

Das verzerrt den Blick. Solange wir aber den offenen und öffentlichen Umgang mit seelischen Leiden meiden, haben wir kaum Chancen, sie von ihrem Spitzenplatz zu verdrängen, wir verdrängen nur ihre Wahrnehmung.

Lesen Sie dazu auch:
Weltweites Problem: Volksgeißel Depression

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Kanzlerin beim DKFZ: "Politik muss sich für Wissenschaft interessieren"

Bedingungen exzellent, gute Motivation und vorbildliche Karrierechancen: Zum 50. Geburtstag lobt Kanzlerin Angela Merkel das DKFZ in Heidelberg in höchsten Tönen. Versprechungen gab es freilich keine. mehr »

"Pille danach": Regierung schaltet auf stur

Seit November vergangenen Jahres streiten Bundesregierung und Bundesrat über die Rezeptfreiheit für das Notfallkontrazeptivum Levonorgestrel - eine Lösung ist nicht in Sicht. Jetzt könnte der Streit über die entsprechende EU-Verordnung eskalieren. mehr »

Anästhesist Böttiger im Interview: "Hauptsache heftige Herzmassage!"

Jährlich sterben fast 70.000 Menschen in Deutschland, weil bei ihnen die Wiederbelebung versagt. Im Interview erklärt Professor Bernd Böttiger, wie 10.000 Thesen das ändern sollen - und was Ärzte von Daft Punk lernen können. mehr »