Ärzte Zeitung, 11.02.2013

Internistenkongress

Wie Ärzte Burn-out vorbeugen können

Immer mehr Menschen leiden an Stress im Job, die Zahl der Burn-out-Erkrankungen steigt. Auch Kollegen in Praxis und Klinik sind davon betroffen. Der Internistenkongress vom 6. bis 9. April macht Stress im Arztalltag deshalb zum Thema. Professor Ulrich Egle aus Freiburg erklärt die Hintergründe.

Von Thomas Meißner

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Professor Ulrich Egle: Innere Faktoren kennen.

© med update

WIESBADEN. Wer vom Stress in der Klinik oder in der Praxis fast erdrückt wird, sich ausgebrannt fühlt, der neigt dazu, erst einmal äußere Faktoren dafür verantwortlich zu machen.

Doch lohnt es sich, einen Blick auf die eigenen Konfliktbewältigungsstrategien zu werfen, sagt Professor Ulrich Egle aus Freiburg. Im Beruf psychisch gesund zu bleiben, könne man lernen.

Besonders chronisch kranke Patienten erfordern vom behandelnden Arzt ein hohes Maß an sozialer Motivation, Engagement und Empathie. Menschen mit solchen Eigenschaften neigen dazu, sich selbst über die Maßen auszubeuten.

Bei einer ausgeprägt altruistischen Einstellung zum Beruf besteht die Gefahr der Überidentifikation mit chronisch Kranken. Insofern könnte die Betreuung dieser Patienten Burnout-fördernd sein.

"Wenn man den Begriff Burnout eng fasst, bedeutet er letztlich: Es besteht eine Stressverarbeitungsstörung", sagt Egle. "Auf diesem Gebiet haben wir in den vergangenen Jahren viel gelernt. Wir wissen, wie sie zustande kommt", so der Psychosomatiker und Psychotherapeut.

Zum einen gebe es besonders "anstrengende" Patientengruppen, zum anderen eine Reihe interner Faktoren, die der Arzt selbst mitbringt und die das Burnout-Risiko erhöhen.

Da ist zum Beispiel der perfektionistische Persönlichkeitstyp. Er setzt sich selbst mit hohen Leistungsstandards stark unter Druck, möchte alles sehr genau erledigen, ist gut organisiert und äußerst fehlersensibel.

Weiterhin hat die Stressvulnerabilität auch etwas mit der eigenen Erziehung zu tun. "Menschen, die früh im Kindesalter eine sichere Bindung zu mindestens einer Hauptbezugsperson erfahren haben, sind robuster im Umgang mit Stress als Menschen, die das nicht erfahren haben", so Egle.

Wissen, wie man auf Belastungen reagiert

"Wir wissen, dass das in früher Kindheit geprägte Bindungsverhalten bei der Mehrheit bis ins Erwachsenenalter weiter besteht und insofern eine wesentliche Bedeutung für die individuelle Stressempfindlichkeit hat."

Man unterscheidet eine sichere von verschiedenen Formen unsicherer Bindung. Diese Bindungstypologie beeinflusst entscheidend, was in der Arzt-Patienten-Beziehung passiert.

Prallen bestimmte Muster unsicherer Bindung aufeinander, sind Probleme in den Wechselwirkungen zwischen Arzt und Patient programmiert. Etwa ein Drittel der Bevölkerung weist solche Muster unsicherer Bindung auf. Die Wahrscheinlichkeit ungünstiger Bindungskonstellationen ist daher hoch.

Treten Konflikte in der Beziehung zwischen Menschen auf, gibt es Bewältigungsstrategien, die Fachleute als "reife" und "unreife" Konfliktbewältigungsstrategien bezeichnen. Unreife Konfliktstrategien verkürzen das Leben signifikant, wie Langzeitstudien ergeben haben.

Als "unreif" gilt es zum Beispiel, wenn die Sekretärin eine halbe Stunde vor Arbeitsschluss noch einen Packen Akten und Bänder vom Chef erhält, die unbedingt noch zu tippen sind, die Sekretärin dies knirschend erledigt, obwohl sie eigentlich schwer erhältliche Theaterkarten für den Abend ergattert hat.

"Reif" wäre es gewesen, wenn sie gleich morgens gesagt hätte: "Chef, heute muss ich pünktlich Schluss machen. Geben Sie mir Wichtiges rechtzeitig!" Antizipation, Humor, das Akzeptieren einer nicht veränderbaren Realität - all dies sind reife Strategien.

Aggressionen gegen sich selbst oder gegen andere, Hypochondrie oder das Unterstellen von Böswilligkeit sind unreife Strategien.

"Dem Arzt in seiner persönlichen Lebens- und Berufssituation sollten die Mechanismen klar werden, die zu Erschöpfung und schließlich zu Burnout führen können", meint Egle.

Er wird in seinem Plenarvortrag beim Internistenkongress ausgehend von den neurobiologischen Grundlagen der Stressverarbeitung und der Bindungstypologie Antworten auf die Frage liefern: Wie kann ich vorbeugen? Egle: "Mancher weiß schon, wie stark er auf Belastungen reagiert. Andere wissen es gar nicht. Diese haben ein vergleichsweise hohes Risiko für Burnout!"

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