Ärzte Zeitung, 23.04.2013

Leitartikel zur Scheidung

Bei Kindern auf Belastung achten!

Zusammenbleiben um jeden Preis, der Kinder wegen? Oft ist das sicher nicht die Lösung. Bei einem Ende mit Schrecken raten Experten jedoch, sich professionelle Hilfe zu holen. Denn die Gefahr besteht, dass ein Kind ernsthaft Schaden nimmt.

Von Elke Oberhofer

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Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte - das gilt jedenfalls für Eltern und ihre Kinder.

© WavebreakmediaMicro / Fotolia.com

Wenn Mama und Papa sich trennen, ist das für das Kind zunächst einmal der GAU. Kinder, so Dr. Helmut Hollmann, Chefarzt des Kinderneurologischen Zentrums der LVR-Klinik Bonn, haben ein "intuitives Interesse daran, beide Bezugspersonen um sich zu haben".

Vor allem kleine Kinder neigen außerdem dazu, die Schuld für die Streitereien auf sich zu laden. "Familienbande" sind für die kindliche Entwicklung essenziell. Eine Trennung der Eltern stellt daher eine immense seelische Belastung dar. Nach Hollmann ist sie per se auch ein Risikofaktor für psychische Probleme.

Soweit die schlechten Nachrichten. Die gute Nachricht ist, dass aus den meisten Scheidungskindern trotz allem "ganz normale Erwachsene" werden, frei nach dem Motto "all families are psychotic".

Zu den Auswirkungen einer Scheidung auf das Kind gibt es viele Studien. Einerseits fanden USAutoren, die Scheidungskinder über Jahrzehnte beobachtet haben, dass die Mehrheit sich in Schule und Beruf ebenso behauptet wie Kinder aus intakten Familien.

Andererseits zeigen Populationsstudien aus Skandinavien Zusammenhänge mit verschiedensten Problemen, vom Alkohol- und Drogenmissbrauch über Ängste und Depressionen bis hin zum Suizid.

Hollmann warnt jedoch vor allzu einseitiger Interpretation. Schließlich werde die Entwicklung eines Kindes durch eine Fülle anderer Faktoren mit beeinflusst. Leistungsdruck spielt da eine Rolle, aber auch übertriebener Medienkonsum und vieles mehr.

Solche Kohortenstudien lassen nach Hollmann letztlich nur einen sicheren Schluss zu: dass die Trennung der Eltern ein Kind nicht eben positiv befördert ...

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