Ärzte Zeitung online, 27.05.2014

Stumpfes Kopftrauma

Bei Erbrechen kann CT warten

Kinder, die nach stumpfer Kopfverletzung erbrechen und sonst symptomfrei sind, haben selten Gehirnläsionen. Noch seltener sind solche Schäden klinisch relevant. Observieren geht hier über tomografieren.

Bei Erbrechen kann CT warten

Fahrradunfall: Hirnläsionen sind unwahrscheinlich, wenn es außer Erbrechen keine Symptome gibt.

© Czauderna / fotolia.com

NEW YORK. Schwere Hirnverletzungen gehen gewöhnlich mit Erbrechen einher. Der Umkehrschluss, wonach Erbrechen als Symptom nach einem stumpfen Schädeltrauma üblicherweise auf eine zerebrale Läsion hinweist, ist deshalb aber noch lange nicht zwingend.

Eine Studie pädiatrischer Notfallmediziner um Dr. Peter Dayan von der Columbia University in New York, in die mehr als 42.000 Kinder mit stumpfen Kopfverletzungen einbezogen waren, hat dies nun unterstrichen (Ann Emerg Med 2014, online 21. Februar).

Nur bei 1,7 Prozent der Kinder, die Erbrechen als einziges Symptom aufwiesen, war eine verletzungsbedingte computertomografische Veränderung festzustellen (extraaxiale, sub- und epidurale Hämatome, Schädeldiastase, Kontusion, subarachnoidale Blutung).

Klinisch bedeutsame Hirnläsionen - die eine stationäre Aufnahme von mehr als zwei Nächten bzw. weitergehende medizinische Maßnahmen erforderten - waren nur bei 0,2 Prozent der Kinder mit isoliertem Erbrechen zu finden.

13,2 Prozent der Kinder hatten erbrochen

Dabei waren triviale Verletzungen von vornherein von der Analyse ausgeschlossen worden - also Verletzungen, die in nichts weiter als Abschürfungen oder Platzwunden der Kopfhaut bestanden und nach Stürzen auf flachem Grund oder beim Anstoßen an ein Hindernis entstanden waren.

Isoliertes Erbrechen bedeutete, dass die Kinder nicht bewusstlos gewesen waren, einen Wert von 15 auf der Glasgow Coma Scale erzielten, weder schläfrig noch agitiert waren und sich auch sonst normal verhielten, keine Frakturzeichen im Schädel-/Schädelbasisbereich und keine Hämatome oder Verletzungen der Kopfhaut aufwiesen.

Auch durften weder Kopfschmerzen noch Krampfanfälle, neurologische Defizite oder eine Amnesie aufgetreten sein.

Erbrochen hatten insgesamt 13,2 Prozent der Kinder, davon lag bei 15,1 Prozent isoliertes Erbrechen vor. Eine Verbindung zwischen dem Zeitpunkt der ersten und letzten Vomitus-Episode und der Prävalenz von Hirnläsionen war nicht zu erkennen.

Kinder, die neben dem Erbrechen noch weitere Symptome zeigten, hatten allerdings häufiger Befunde im CT (6,4 Prozent). Neben den schon genannten handelte es sich dabei um Mittellinienverschiebungen, intrazerebrale und zerebelläre Blutungen, Pneumocephalus und Impressionsfrakturen. Die Läsionen waren in diesen Fällen auch öfter klinisch belangvoll (2,5 Prozent).

"Traumatische Hirnverletzungen im CT sind selten, klinisch erhebliche Verletzungen sehr selten bei Kindern zu finden, die nach minderen stumpfen Kopftraumata Erbrechen als einziges Zeichen oder Symptom aufweisen", bilanzieren die Forscher.

Bevor man sich für ein CT entscheide, scheine es angemessen, die Patienten erst einmal unter Beobachtung zu stellen. (rb)

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