Ärzte Zeitung, 27.05.2004

Duloxetin verhindert lange neue Depressions-Schübe

Wirkung auf Serotonin- und Noradrenalin-Stoffwechsel

MÜNCHEN (sto). Das Rückfallrisiko bei Depression ist in den ersten beiden Jahren nach Krankheitsbeginn besonders hoch. Mit Duloxetin bleiben die meisten Patienten jedoch langfristig in Remission. Darauf hat Professor Gerd Laux vom Bezirksklinikum Gabersee hingewiesen.

Etwa 70 Prozent der Patienten sprechen auf ein Antidepressivum an, wie Laux bei einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim und Lilly in München berichtet hat. Eine komplette Remission gelingt mit den bisherigen Therapien jedoch nur bei weniger als einem Drittel der Patienten. Definitionsgemäß liegt eine Remission vor, wenn auf der Hamilton Depressionsskala (HAMD) ein Wert kleiner oder gleich sieben gemessen werde. Die Patienten haben dann nur minimale oder keine Symptome.

In klinischen Studien habe Duloxetin, ein noch nicht zugelassener selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, in einer Dosierung von 60 mg/Tag nach neun Wochen bei 44 Prozent der depressiven Patienten zu einer Remission geführt. Mit Placebo seien es dagegen nur 16 Prozent, sagte der Neurologe. In einer zweiten, offenen Studie über 52 Wochen lag die Remissionsrate bei einer Dosierung zwischen 80 und 120 mg/Tag am Ende der Beobachtungszeit sogar bei etwa 80 Prozent.

Grund dafür sei der duale Wirkme-chanismus von Duloxetin, das den zentralen Serotonin- und Noradrenalin-Stoffwechsel beeinflußt und so zu einer Beseitigung der emotionalen und der somatischen Symptome der Depression führe, so Laux.

Viele Patienten mit Depression leiden sowohl unter psychischen als auch körperlichen Symptomen. Dabei handelt es sich vor allem um Schmerzen. Daß eine wirksame Therapie bei Schmerzen eindeutig mit der Remission einer Depression korreliere, ist bekannt. Duloxetin bessere, so Laux, die Schmerzen während depressiver Phasen nach neun Wochen um 30 Prozent, gemessen auf einer visuellen Analogskala. Bezogen allein auf Rückenschmerzen liege die Verbesserung sogar nahe 50 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »