Ärzte Zeitung, 09.12.2004

DEPRESSIONEN

Einfache Fragen erleichtern die Diagnose von Depressionen

Patienten mit Depressionen lassen sich meist gut behandeln. Das Problem ist jedoch, eine Depression rechtzeitig zu erkennen, denn meist klagen depressive Patienten nicht über psychische, sondern über körperliche Beschwerden. Mit einfachen Fragen und Tests kommen Ärzte bei solchen Patienten einer Depression schnell auf die Spur.

Audiovisuelle Fortbildung mit "Ärzte Zeitung Online" und QÄF!

Jeder Vertragsarzt muß bis Mitte 2009 insgesamt 250 CME-Punkte sammeln. "Ärzte Zeitung Online" und QÄF, der Verein Qualitätsgesicherte Ärztliche Fortbildung, bieten eine Internet-Plattform zur audio-visuellen Fortbildung an.

Mehr Infos zur Fortbildung
finden Sie hier 

Über zwei Drittel der depressiven Patienten sprechen gut auf eine Therapie mit Medikamenten und Psychotherapie an. Doch wie läßt sich eine depressive Episode früh erkennen? Wenn Patienten über Schlaflosigkeit klagen, über Tagesmüdigkeit, Engegefühl in Hals und Brust, Appetitstörungen oder Verstopfung, und es läßt sich keine organische Ursache der Beschwerden finden, dann sollten Ärzte hellhörig werden, berichtet Dr. Axel Cicha in seinem Vortrag.

So haben fast alle Depressiven Schlafstörungen, meist können sie nachts nicht durchschlafen. "Fragen Sie die Patienten, was sie machen, wenn sie wachliegen", rät der Psychiater aus Wasserburg. "Depressive Patienten werden sagen: Ich liege wach im Bett und mir gehen immer dieselben trüben Gedanken durch den Kopf".

Auch Patienten, die behaupten: "Ich hab sicher Alzheimer, ich vergesse beim Einkaufen immer die Hälfte", haben vielleicht eine Depression. Cicha: Sind solche Patienten depressiv, sind sie davon überzeugt, Alzheimer zu haben, haben sie tatsächlich eine beginnende Demenz, versuchen sie ihre Vergeßlichkeit eher zu verdrängen und sagen: "Das kann jedem einmal passieren".

Ein Uhrentest hilft bei der Diagnose oft weiter: Rein depressive Patienten haben kein Problem, eine bestimmte Uhrzeit mit Zeigern auf ein Blatt Papier zu zeichnen, Demenz-Patienten dagegen schon, so Cicha.

Nerven Patienten damit, daß sie glauben, jede unerwünschte Wirkung zu haben, die auf einem Beipackzettel steht, kann dies eine Zeichen für eine agitierte Depression sein. Und haben Patienten Tinnitus, haben sie oft auch eine Depression. Auch jeder zweite Parkinson-Patient hat zusätzlich depressive Verstimmungen.

Was ist nun die geeignete Therapie? "Die Frage, Couch oder Pille, gehört der Vergangenheit an", so Cicha, denn oft hilft eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie am besten. Aber meist sind zuerst Medikamente nötig, damit die Patienten überhaupt in der Lage sind, eine Psychotherapie zu machen. Zur Pharmakotherapie sollten Ärzte mindestens vier bis fünf Antidepressiva gut kennen, rät der Psychiater. (mut)

Den Vortrag, für den es CME-Punkte gibt, finden Sie nach Anmeldung im Internet unter www.qaef-akademie.de, "Online-Kurse" - "Psychiatrie" - "Depressionen".

[13.05.2014, 11:35:00]
Nadezda Anton 
Forschungsergebnisse?
Gibt es auch Belege aus Studien oder wissenschaftliche Erkenntnisse, dass der Uhrenzeichentest eine derartige Abgrenzung ermöglicht?
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »