Ärzte Zeitung, 02.02.2005

Hohe Suizidrate bei über 75jährigen

Bei Verdacht auf Suizidgedanken lohnt es sich, Patienten darauf anzusprechen

DUBLIN (mut). Bei Menschen über 75 Jahren ist die Suizid-Rate etwa dreimal so hoch wie bei Menschen unter 25 Jahren. Alte Menschen sprechen jedoch noch seltener über Suizidgedanken als jüngere. Bei geringstem Verdacht sollten sie daher gezielt nach Suizidabsichten gefragt werden.

In Deutschland begehen von 100 000 Menschen unter 25 Jahren weniger als 20 pro Jahr Suizid, bei Menschen über 75 sind es etwa 60 pro 100 000. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß junge Erwachsene von ihren Hausärzten nach Suizidgedanken oder depressiven Stimmungen gefragt werden, etwa 20mal größer als bei über 75jährigen. Darauf weist eine Analyse von Studien über Suizid bei älteren Menschen hin (BMJ 329, 2004, 895).

Als möglichen Grund nennen die Autoren, daß ältere Menschen noch weniger als junge von sich aus das Thema Depression oder Suizid ansprechen. Sie sollten daher schon bei wenigen Zeichen einer Depression gezielt danach gefragt werden, etwa bei Schlafproblemen, Müdigkeit, Interesselosigkeit, aber auch Rücken-, Schulter- und Kopfschmerzen.

Wichtig: Ein hohes Suizidrisiko haben vor allem Patienten, die bereits in der Vergangenheit Suizidversuche unternommen haben, alte Patienten mit schweren körperlichen Krankheiten sowie alte Menschen mit wenigen sozialen Kontakten. Vor allem bei solchen Menschen lohnt sich ein Gespräch über Suizidgedanken. Und die Chance dazu gibt es häufig: Viele besuchen kurz vor dem Suizid noch einmal ihren Arzt.

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