Ärzte Zeitung, 11.11.2005

In-vitro-Test spricht für Johanniskraut-Extrakt

Pflanzen-Auszug bei Ratten-Hirnzellen untersucht / Wirkung ähnlich wie bei chemisch definierten Antidepressiva

MÜNCHEN (wst). Gesamtextrakt aus Johanniskraut bewirkt an Hirnzellen von Ratten ähnlich akute und chronische Veränderungen wie chemisch definierte Antidepressiva. Für Hypericin und Hyperforin als isolierte Bestandteile von Johanniskraut haben sich in Studien jedoch keine derartigen Effekte ergeben.

Die Bedeutung von Hypericin und Hyperforin als Leitsubstanzen pflanzlicher Antidepressiva sollte daher überdacht werden, sagte Professor Ulrich E. Honegger von der Universität Bern. Er hat seine In-vitro-Untersuchungen mit Johanniskraut-Extrakten auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin München vorgestellt.

    Extrakt aus Johanniskraut wurde mit reinen Substanzen verglichen.
   

Honegger und seine Mitarbeiter hatten zunächst an frischen Hirnschnitten von Ratten Analysen gemacht. Untersuchte Substanzen waren die Trizyklika Imipramin und Desipramin, die spezifischen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Fluoxetin und Fluvoxamin, ein wässrig-alkoholischer Johanniskraut-Gesamtextrakt sowie die isolierten Johanniskraut-Extraktbestandteile Hypericin und Hyperforin.

Untersucht wurde die Aufnahme von radioaktiv markiertem Serotonin und Noradrenalin in Rattenhirnzellen unter der jeweiligen Antidepressivum-Exposition. Sämtliche synthetische Antidepressiva und auch der Johanniskraut-Gesamtextrakt bewirkten eine deutliche Hemmung der zellulären Aufnahme der beiden Neurotransmitter. Eine solche Wirkung gab es dagegen mit den beiden isolierten Johanniskrautbestandteilen Hyperforin und Hypericin nicht.

Um die mittelfristige Wirkung der verschiedenen Antidepressiva zu untersuchen, setzten Honegger und seine Mitarbeiter die Rattenhirnzellen mehrere Tage lang den Antidepressiva aus.

Nach sechs Tagen kam es sowohl mit den Trizyklika und SSRIs als auch mit dem Johanniskraut-Gesamtextrakt zu einer Abnahme der β-Adrenozeptoren-Dichte in den Zellen. Wurde den Kulturen lediglich isoliertes Hypericin oder isoliertes Hyperforin zugefügt, blieb auch diese Veränderung aus.

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