Ärzte Zeitung, 07.12.2005

Antidepressivum wirkt auch gegen Schmerzen

Dreiviertel der Depressiven haben körperliche Beschwerden / Depressionen und Schmerzen verstärken sich gegenseitig

BERLIN (ugr). Drei von vier Patienten mit Depressionen haben körperliche Beschwerden wie Müdigkeit oder Schwindel. 70 Prozent klagen zudem auch über Schmerzen. Für solche Patienten ist Duloxetin eine geeignete Option: Es bessert nicht nur die Stimmung, sondern lindert auch die Schmerzen.

Darauf hat Professor Göran Hajak aus Regensburg beim Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin hingewiesen. "Bei Patienten mit Schmerzen stehen Rückenschmerzen, muskuloskelettale Beschwerden und Brustschmerzen, die für einen Herzinfarkt typisch sind, im Vordergrund", sagte der Neurologe bei einem von Lilly und Boehringer Ingelheim unterstützten Symposium.

Meist kann für die Beschwerden keine organische Ursache gefunden werden. "Somatische Symptome und Depressionen treten extrem häufig zusammen auf, verstärken sich wechselseitig und verschlechtern die Prognose. 95 Prozent der therapieresistenten Depressiven haben körperliche Symptome", sagte Hajak.

Gut geeignet zur Therapie von depressiven Patienten mit Schmerzen sei das dual wirksame Antidepressivum Duloxetin (Cymbalta®), das unabhängig vom antidepressiven Effekt auch die Schmerzen gut lindere, sagte Professor Hans-Jürgen Möller von der LMU München.

Duloxetin blockiert die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt. Bei einer einmal täglich verabreichten Dosis von 60 mg reduzierten sich bereits in der ersten Woche die depressiven Symptome deutlich, in der zweiten Woche würden darüber die Schmerzen signifikant gelindert. Dies hätten sieben Placebo-kontrollierte Phase-III-Studien belegt, so Möller.

Bei der offenen Behandlung mit Duloxetin über 52 Wochen wurden Remissionsraten von über 80 Prozent erzielt.

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