Ärzte Zeitung, 16.03.2006

Therapie auch von alten Menschen mit Depression

Medikamentenwahl kann Interaktionen mindern

HAMBURG (awa). Bei alten Menschen wird eine Depression oft als Reaktion auf ihre Einsamkeit oder auf körperliche Erkrankungen verstanden. Dies sind keine Gründe, auf eine Therapie zu verzichten, wenn die Symptome ausgeprägt sind. Bei alten Menschen sollten jedoch Arzneien verwendet werden, die mit anderen Substanzen wenig in Wechselwirkung treten.

Die Diagnose einer Depression werde bei alten Menschen erschwert, weil sich zwei Drittel der depressiven Patienten wegen körperlicher Symptome vorstellen. Daran erinnerte Dr. Gerhard Roth, niedergelassener Neurologe und Psychiater in Ostfildern.

Roth plädierte auf einer Veranstaltung des Unternehmens Wyeth in Hamburg dafür, eine depressive Episode bei älteren Menschen nach ICD-10 zu diagnostizieren: Eine Depression, die einer Therapie bedürfe, bestehe dann, wenn von den drei Hauptsymptomen - gedrückte Stimmung, Interesse- und Freudlosigkeit sowie Antriebsstörung - zwei vorliegen.

Zusätzlich bestehen seit zwei Wochen zwei bis vier dieser Symptome: Konzentrationsstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Selbstbeschädigung, Schlafstörung oder Appetitmangel. Dann sollte ein Therapieversuch mit einem Antidepressivum unternommen werden.

Dr. Gabriel Eckermann, vom Betriebskrankenhaus Kaufbeuren, machte darauf aufmerksam, daß ein alter Mensch durchschnittlich vier bis sechs verschiedene Medikamente einnimmt. Bei den Antidepressiva gebe es aber starke Inhibitoren der Cytochrom-P450-Enzyme, so daß die Plasmakonzentration der Begleitmedikamente stark erhöht werden kann.

Deshalb sollten die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Fluvoxamin, Paroxetin und Fluoxetin in der Gerontopsychiatrie nicht verwendet werden, so Eckermann. Nach seinen Angaben scheinen moderne Antidepressiva wie der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (sSNRI) Venlafaxin (Trevilor®) keine klinisch relevanten Wechselwirkungen zu haben.

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