Ärzte Zeitung, 02.05.2007

Pulsgeber im Gehirn mildert Depressionen

Zur Tiefen Hirnstimulation haben deutsche Wissenschaftler Elektroden ins Belohnungszentrum eingepflanzt

BONN (ars). Seit einiger Zeit wird die Tiefe Hirnstimulation bei therapieresistenten Depressionen erprobt. Forscher aus Bonn haben nun mit Erfolg eine bisher nicht geprüfte Hirnregion gewählt: Sie reizen das Belohnungszentrum.

Die Gruppe um Professor Thomas Schläpfer hat den Hirnschrittmacher zwei Männern und einer Frau eingesetzt. Sie litten seit Jahren an schwerer Depression, die weder auf Medikamente, noch Elektrokonvulsion oder Psychotherapie ansprach. Als Ziel für die Elektroden wählten die Forscher den Nucleus accumbens. Dort entsteht nach guten Erfahrungen ein Gefühl der Freude.

"Der Schweregrad der Symptome ging nach der Im-plantation um die Hälfte zurück", so Schläpfer zur "Ärzte Zeitung". Erste Zeichen der Besserung waren bereits nach der Op zu beobachten. Zwei Wochen später waren die Werte auf der Hamilton-Depressionsskala (Höchstzahl 50) bei den drei Patienten von 43 auf 25 sowie von 35 auf 25 und 20 gesunken. Mit Positronenemissionstomografie waren Blutfluss- und Stoffwechseländerungen sichtbar.

Wurde der Pulsgeber abgestellt, stiegen die Werte wieder, wie doppelblinde Tests belegten. Schläpfer: "Bei einem Patienten verschlechterte sich der Zustand so, dass wir gleich wieder anschalteten." Die Tiefe Hirnstimulation wird bisher bei Parkinson, Tremor, Kopfschmerz und Bewegungsstörungen angewandt. Zur Depression gibt es erste Versuche, jedoch mit anderen Arealen als den N.accumbens (Neuropsychopharmacology doi: 10.1038/sj.npp.1301408).

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