Ärzte Zeitung, 04.12.2007

Gespräche und Pillen gegen Suizid

Sowohl Psychotherapie als auch Antidepressiva senken das Suizidrisiko

NEU-ISENBURG (mut). Jede wirksame antidepressive Therapie senkt letztlich das Suizidrisiko, berichten US-Forscher. Das trifft für eine Psychotherapie offenbar genau so zu wie für Arzneien.

 Gespräche und Pillen gegen Suizid

Depressive Kinder werden inzwischen offenbar besser behandelt als noch vor Jahren: Die Suizidrate ist in Deutschland jedenfalls rückläufig.

Foto: Imago

Zu dieser Schlussfolgerung kommen Autoren einer Studie, in der Suizidversuche von über 140 000 Depressiven vor und nach Therapiebeginn analysiert wurden. So gab es im Monat vor Therapiebeginn die mit Abstand meisten Suizidversuche (bis zu 400 pro 100 00 Patienten).

Bereits im ersten Therapiemonat sank die Zahl um etwa 60 Prozent bei einer Antidepressiva-Therapie und um 70 Prozent bei einer Psychotherapie. Der Effekt war bei Jugendlichen und Erwachsenen ähnlich groß (Am J Psychiatry 164, 2007, 1029). Die Unterschiede zwischen Psycho- und Arzneitherapie lassen sich möglicherweise auch damit erklären, dass schwer Depressive eher eine Arzneitherapie bekommen, so die Autoren.

Die Daten widersprechen Befürchtungen, dass moderne Antidepressiva bei Minderjährigen das Suizidrisiko erhöhen. Solche Befürchtungen äußerten im Jahr 2003 auch US- und europäische Zulassungsbehörden, was dazu führte, dass in den USA und Europa die SSRI-Verordnungszahlen deutlich zurückgingen. In der gleichen Zeit kam es in einigen Ländern jedoch zu einem Anstieg der Suizidrate bei Minderjährigen: Etwa um fast 50 Prozent in den Niederlanden. In den Niederlanden ist die Suizidrate aber noch immer niedriger als in Deutschland, wo noch viel seltener SSRI verordnet werden.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Medikamente und Gespräche senken das Suizidrisiko - das gilt auch für Kinder

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »