Ärzte Zeitung online, 29.09.2008

Deutsche Depressionshilfe fordert bundesweites Beratungstelefon

LEIPZIG (dpa). Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe will ein bundesweites Beratungstelefon einrichten, hat aber kein Geld dafür. Ein halbes Jahr seit Bestehen der Stiftung sei die Nachfrage sehr hoch, sagte Stiftungsvorsitzender Ulrich Hegerl.

"Es gibt eine irre Zahl von Menschen, die Hilfe suchen und brauchen - Betroffene wie Angehörige und Freunde." Das Stiftungskapital sei jedoch noch zu gering für die ständige Betreuung einer Servicenummer. "Wir stoßen momentan an unsere Grenzen", so Hegerl in einem Gespräch mit dpa. Jeder zweite Deutsche hat laut Hegerl schon einmal direkt oder indirekt Kontakt mit dem Thema Depression gehabt.

Seit Entertainer Harald Schmidt Schirmherr der Stiftung ist, hat sie zahlreiche Anfragen bekommen

Seitdem Entertainer Harald Schmidt Schirmherr der Stiftung ist, habe sie zahlreiche Anfragen bekommen, sagte Hegerl. "Betroffene riefen an und hatten das Gefühl, sie kommen aus der Ecke heraus, in die sie aufgrund der Krankheit gedrängt sind", sagte Hegerl. "Die Betroffenen schöpfen durch die öffentliche Kampagne Mut, sich Hilfe zu holen und offener mit der Erkrankung umzugehen."

Schmidts Humor sei sehr hilfreich bei der Aufklärungsarbeit. Auf der Internetseite der Stiftung sagt er: "Vier Millionen Depressive in Deutschland ­ das kann nicht nur am Fernsehprogramm liegen". Der Fernsehmoderator und Kabarettist sei die erste Wahl als Schirmherr gewesen, weil er "im Kern eine humane Ader" habe, sagte Hegerl.

Noch kann die Stiftung Erwartungen zu Beratung per Telefon nicht erfüllen

Die neue Stiftung habe "viele Hoffnungen geweckt", könne aber Erwartungen wie Beratung per Telefon noch nicht erfüllen. Einen Teil der Anfragen könne die Internetseite des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität beantworten, die täglich 3000 Nutzer öffneten. "Auf unserem Forum tauschen sie sich aus; es muss aber von einem Facharzt moderiert werden, damit die Diskussion nicht aus dem Ruder läuft, zum Beispiel wenn falsche Ratschläge propagiert werden."

Forschung, Informationsvermittlung und Fortbildung für Ärzte will die Stiftung künftig verbessern und ausbauen. So soll die Gründung von regionalen Bündnissen gegen Depression gefördert werden. In den nächsten Jahren soll ein Kapitalstock aufgebaut werden, um solche Projekte möglich zu machen, sagte Hegerl. Bislang bekäme die Stiftung Kleinspenden, "aber eine Stelle können wir davon nicht finanzieren." Zudem liefe die Förderung der EU für den Forschungsverbund Kompetenznetz Depression, Suizidalität aus. Dabei hätten 17 europäische Länder Informationsmaterial für die Öffentlichkeit von der Stiftung übernommen und übersetzt.

www.deutsche-depressionshilfe.de

www.kompentenznetz-depression.de

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