Ärzte Zeitung, 18.12.2009

Multimodal gegen Schmerzen alter Menschen

Bei älteren Menschen mit chronischen Schmerzen ist die Behandlung schrittweise zu intensivieren. Per multimodalem Therapieplan sollten auch andere Schwachpunkte angegangen werden.

Von Katharina Arnheim

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Beratung ist Voraussetzung für eine gute Schmerztherapie.

Foto: Klaro

KOPENHAGEN. Schmerz ist kein spezifisches Problem älterer Menschen, erinnerte Professor Jan Hartvigsen von der Syddansk Uni in Odense beim europäischen Rheuma-Kongress EULAR. Allerdings leiden Ältere häufiger an chronischen Schmerzen, die sich negativ auf den gesamten Alltag auswirken. "Je älter man wird, umso stärker schränken Schmerzen die Funktion und Mobilität ein", betonte Hartvigsen. Damit komme ein Teufelskreis ins Rollen, da betroffene Patienten körperlich weniger aktiv werden, so allmählich ihre Unabhängigkeit verlieren und Pflege benötigen. Es sei das A und O, ältere Menschen in guter physischer Verfassung zu halten, da körperliche Aktivität auch das Risiko für das Auftreten von Schmerzen herabsetze.

Haben Jüngere eher Rückenschmerzen, klagen über 65-Jährige über Schmerzen in Hüfte und Knie. Hartvigsen wies darauf hin, dass Schmerzen bei Älteren häufig ein Indikator für einen schlechten Allgemeinzustand und Begleiterkrankungen sind. Besonders ungünstig sei eine gleichzeitig vorhandene Depression, die den Teufelskreis von Schmerzen und negativer Wahrnehmung des eigenen Gesundheitszustandes, mangelnder Bewegung und schlechter Lebensqualität weiter verstärke.

"Befunde, die wir bei jüngeren Menschen als anomal betrachten, können bei Älteren alltäglich und nicht für ein bestimmtes Symptom verantwortlich sein", sagte Professor Debra Kaye Weiner von der Uni Pittsburgh. Sie illustrierte dies am Beispiel der häufigen chronischen Schmerzen im Lendenwirbelbereich. Obwohl degenerative Veränderungen der LWS bei älteren Menschen nahezu allgegenwärtig sind, leiden nur etwa 45 Prozent der Betroffenen an Rückenschmerzen, und nur bei 15 Prozent führen diese Schmerzen auch zu funktionellen Einschränkungen.

Bildgebende Verfahren helfen oft nicht weiter: Im NMR findet man laut Weiner häufig eine mäßig bis schwer ausgeprägte Zentralkanalstenose, unabhängig davon, ob Patienten tatsächlich an Rückenschmerzen leiden oder nicht. Mit invasiven Eingriffen sollte man daher sehr zurückhaltend sein, zumal sie auch Patienten mit chronischen Rückenschmerzen in einem hohen Prozentsatz nicht von ihren Beschwerden befreien.

Weiner wies darauf hin, dass bei älteren Patienten häufig mehrere homöostatische Mechanismen gleichzeitig beeinträchtigt seien, sodass es prinzipiell viele therapeutische Ansatzpunkte gebe. Das sei positiv zu sehen, da kleine Besserungen in mehreren Bereichen insgesamt von großem Gewinn sein könnten.

Bei Patienten mit chronischen Schmerzen sollte man beginnend mit Allgemeinmaßnahmen schrittweise - abhängig vom Erfolg - die Behandlung intensivieren und gleichzeitig andere Risikofaktoren mitbehandeln, empfahl Weiner. Ist der Einsatz von NSAR erforderlich, sind nicht azetylierte Substanzen wegen der besseren gastrointestinalen Verträglichkeit und der geringen Beeinflussung der Plättchenhemmung zu bevorzugen.

Opioide können letztlich therapeutisch unverzichtbar werden. Man müsse jedoch berücksichtigen, dass sie bei Älteren zu Gleichgewichtsstörungen und Verwirrtheit führen können und so das Sturzrisiko erhöhen. Auch die Entwicklung von Depressionen, Agitation und Schlafstörungen unter Opioidtherapie sei nicht ungewöhnlich. Man sollte ältere Patienten unter Opioidtherapie daher sorgfältig überwachen und Risiken und Nutzen ständig gegeneinander abwägen.Lesen Sie auch:
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