Ärzte Zeitung online, 04.02.2010

Prostituierte haben überdurchschnittlich oft Angststörungen und Depressionen

ZÜRICH (eb). Psychische Störungen sind bei Prostituierten viel häufiger als bei anderen Frauen. Gewalterfahrung, Arbeitsbedingungen und Nationalität sind nach einer neuen Studie erhebliche Risikofaktoren. Vor allem Prostituierte aus außereuropäischen Ländern, die in Studios oder Bars anschaffen und im Milieu Gewalt ausgesetzt sind, leiden fast ausnahmslos an psychischen Störungen.

Prostituierte haben überdurchschnittlich oft Angststörungen und Depressionen

© Laurin Rinder / fotolia.com

Nach Ergebnissen der Studie der Uni Zürich zeigen, dass rund die Hälfte der Befragten psychische Störungen aufwiesen (Acta Psychiatrica Scandinavica, online vorab). 30 Prozent erfüllten die Kriterien für eine Depression, 34 Prozent die Kriterien für eine Angststörung, fasst der Psychiater Professor Wulf Rössler die Studie zusammen. In der Gesamtbevölkerung hingegen weisen nur 12 Prozent der Frauen psychische Störungen innerhalb eines Jahres auf, davon rund 6 Prozent Depressionen und 9 Prozent Angststörungen.

Besondere Risikofaktoren für psychische Störungen sind Gewalterfahrungen, speziellen Arbeitsbedingungen und die Nationalität. Schweizer Frauen, die ihre Dienste auf der Straße anbieten, sind besonders gefährdet; ebenso Frauen aus Asien oder Südamerika, die in Bars oder Studios arbeiten. Bis zu 90 Prozent hatten psychische Störungen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass soziale Unterstützung das Risiko für psychische Störungen reduziert, so Rössler.

Er betont, dass vor allem die Rahmenbedingungen der Prostituierten verbessert werden müssen. Sichere Arbeitsbedingungen seien ebenso wichtig wie soziale Hilfen für diese Frauen, die allein im Raum Zürich jährlich bis zu 2,8 Millionen Kontakte mit Freiern haben.

In einer weltweit einmaligen Studie gelang es den Forschern, rund 200 Prostituierte in Zürich zu befragen, wie die Uni mitteilte. Das entspricht etwa 5 Prozent der registrierten Prostituierten in Zürich. Um ein möglichst repräsentatives Bild der Situation von Prostituierten zu erhalten, kontaktierten die Forscher die Frauen unterschiedlicher Nationalitäten in Bars, Bordellen, Studios, Begleitdiensten und auf der Straße, erklärt Rössler. Die Befragten waren zwischen 18 und 63 Jahre alt, die Mehrheit war in der Schweiz geboren und zwei Drittel besaßen einen Schweizer Pass.

Abstract der Studie: "The Mental Health of Female Sex Worker."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Vier von zehn Diabetes-Fälle ließen sich verhindern

Durch Abspecken von drei bis sechs Kilo in der Bevölkerung ließen sich 40 Prozent der Diabetesfälle verhindern. mehr »

Lücken in der Hausarztmedizin wachsen

Gegenläufige Trends kennzeichnen die Bundesärztestatistik für 2016: Die Zahl der Ärzte erreicht ein neues Rekordhoch. Doch der Zuzug ausländischer Ärzte kompensiert die Probleme der Überalterung kaum. mehr »

Früherkennung mit einem Atemzug

Ein neuer Test zur Früherkennung von Lungenkrebs misst kleinste Veränderungen in der Zusammensetzung der Atemluft. Das von Forschern des Max-Planck-Instituts entwickelte Verfahren könnte das Diagnoseverfahren vereinfachen. mehr »