Ärzte Zeitung online, 14.08.2011

Misshandlungen in der Kindheit - doppeltes Risiko schwerer Depressionen

Misshandelte Kinder haben ein erhöhtes Risiko, als Erwachsene an lang dauernden Depressionen zu erkranken. Und die Prognose ist ungünstig, denn sie sprechen schlecht auf eine Therapie an.

Misshandlungen in der Kindheit - doppeltes Risiko schwerer Depressionen

Kindesmisshandlung: Tut gleich weh, macht später massive Depressionen.

© begsteiger / imago

LONDON (eb). Menschen, die in ihrer Kindheit misshandelt wurden, haben ein doppelt so hohes Risiko, an multiplen und lang dauernden depressiven Episoden zu erkranken. Das gilt im Vergleich zu Menschen, die nicht misshandelt wurden.

Dieses Ergebnis stammt aus einer kombinierten Analyse von 16 epidemiologischen Studien mit insgesamt mehr als 20  000 Teilnehmern und zehn klinischen Studien mit mehr als 3000 Patienten (American Journal of Psychiatry 2011; AiA:1-10).

Schon früher hatten Studien ergeben, dass bei misshandelten Menschen Abweichungen in biologischen Prozessen bestehen, die auf psychischen Stress reagieren, zum Beispiel im Gehirn, im endokrinen System und in der Immunabwehr. Das gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

Nach Aussage der Wissenschaftler ist es entscheidend, Menschen, die solche multiplen und lang dauernden depressiven Episoden entwickeln können, frühzeitig zu erkennen. Denn diese Patienten sprechen meist schlecht auf die übliche Behandlung an, so dass man die Therapie an diese speziellen Bedingungen anpassen müsse.

Menschen mit Misshandlungen in der Vorgeschichte haben ihr ganzes Leben hindurch ein erhöhtes Risiko für psychische Krankheiten, schreiben die Forscher um Dr. Andrea Danese vom King‘s College in London. Nun gehe es auch darum zu erkennen, auf welchem Weg diese frühen Erfahrungen psychische Reaktionen stören.

Abstract der Studie "Childhood Maltreatment Predicts Unfavourable Course Of Illness And Treatment Outcome In Depression: A Meta-Analysis"

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