Ärzte Zeitung online, 21.09.2011

Depressionen so gefährlich wie Rauchen

Möglicherweise lassen sich durch eine rechtzeitige antidepressive Therapie auch viele Schlaganfälle verhindern, denn Depressionen sind für das Apoplex-Risiko so ungünstig wie Rauchen.

Depressionen so gefährlich wie Rauchen

Eine Depression erhöht in einem ähnlichen Maße das Schlaganfallrisiko wie das Rauchen.

© RUZANNA ARUTYUNYAN / fotolia.com

BOSTON (mut). Nimmt man die gerade in der Zeitschrift JAMA (2011; 306:1241) publizierten Zahlen ernst, dann ließen sich wohl etwa vier Prozent aller Schlaganfälle vermeiden, würde man Depressive rechtzeitig und erfolgreich behandeln.

Denn zumindest rein rechnerisch lassen sich nach dem Ergebnis einer Meta-Analyse 3,9 Prozent aller Schlaganfälle auf Depressionen zurückführen.

Zudem erhöht eine Depression das Schlaganfallrisiko in einem ähnlichen Maße wie der Tabakkonsum, berichten US-Epidemiologen um Dr. An Pan von der Harvard School of Public Health in Boston.

Daten von über 8000 Personen ausgewertet

Für ihre Analyse hatten die Forscher 28 prospektive Kohortenstudien mit fast 320.000 Teilnehmern ausgewertet. Damit wurden Daten von fünfmal mehr Studienteilnehmen analysiert als bei einer vergleichbaren Analyse aus dem Jahr 2005, aus der sich ebenfalls ein erhöhtes Schlaganfallrisiko für Depressive ergab.

Insgesamt konnte An und ihr Team in der aktuellen Analyse Angaben zu knapp 8500 Personen auswerten, die im Laufe der Studien einen Schlaganfall bekamen.

Die Ergebnisse: Über alle Studien gemittelt war der Anteil von Depressiven, die vom Apoplex überrascht wurden, um 45 Prozent höher als bei Nicht-Depressiven.

Der Anteil der Depressiven, die einen tödlichen Schlaganfall erlitten, war sogar um 55 Prozent höher, und 25 Prozent mehr Depressive als psychisch Gesunde wurden Opfer eines ischämischen Schlaganfalls.

Ungesunde Lebensweise bei Depressiven?

In den meisten der Studien wurden klassische Risikofaktoren wie Rauchen, Alter, BMI, Hypertonie, Alkoholkonsum und KHK berücksichtigt, sodass die Depression als unabhängiger Risikofaktor für einen Schlaganfall gelten kann.

Allerdings gab es auch neun Studien, die Rauchen nicht berücksichtigten. Wurden diese ausgeschlossen, so war die Schlaganfallrate bei Depressiven noch um 28 Prozent erhöht.

Ähnliches stellten die Forscher für den BMI fest: Auch hier schrumpfte die BMI-adjustierte Rate auf einen nur noch um 28 Prozent erhöhten Wert. So lässt sich ein Teil des erhöhten Risikos zumindest durch eine ungesunde Lebensweise der Depressiven erklären.

Stress könnte ein wichtiger Faktor sein

Wird dies berücksichtigt, erhöhen Depressionen das Schlaganfallrisiko aber immer noch so stark, wie dies für Rauchen in anderen Studien belegt wurde, berichten die Autoren.

Der Grund für diese spezifische Risikosteigerung ist nach wie vor unklar. Diskutiert wird eine Zunahme entzündungsfördernder Faktoren im Blut von Depressiven - dokumentiert ist dies etwa für C-reaktives Protein und verschiedene Interleukine.

Auch Stress durch die Überaktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse könnte für das Schlaganfallrisiko von Bedeutung sein.

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