Ärzte Zeitung online, 07.09.2015

Depression

Teilnehmer für Studien gesucht

MÜNCHEN. In zwei Studien an der Psychiatrischen Klinik der LMU München wird die nicht-invasive Hirnstimulation zur Therapie bei Depression geprüft. Dafür werden noch Studienteilnehmer gesucht.

In der Studie AzteK (Antidepressivum und zusätzliche transkranielle elektrische Kortexstimulation) werden Patienten zwei Wochen lang mit tDCS (transkranielle Gleichstromstimulation; engl. transcranial direct current stimulation) und Escitalopram oder Citalopram stationär behandelt.

Eine teilstationäre Verlängerung um zwei Wochen ist möglich, teilt Dr. Ulrich Palm , Klinik für Psychiatrie der LMU München mit. Gesucht werden Teilnehmer von 18 bis 75 Jahren mit der Diagnose einer (rezidivierenden) Depression ohne weitere psychiatrische Erkrankung.

Ziel sei es, die tDCS als Zusatzverfahren zu einer standardisierten Pharmakotherapie zu etablieren, um die Therapiedauer bei Depressionen zu verkürzen.

In der DeSteK-Studie (Depressionsbehandlung in der Schwangerschaft mit transkranieller elektrischer Kortexstimulation) werden depressive Schwangere ohne Medikamente zwei Wochen lang stationär mit tDCS behandelt. Auch hier ist eine teilstationäre Verlängerung um zwei Wochen möglich.

Eingeschlossen werden Schwangere von der 10. bis zur 37. Schwangerschaftswoche mit unauffälliger Schwangerschaft und unauffälliger fetaler Entwicklung. Ziel der Studie ist es, die tDCS als Alternative zur Pharmakotherapie in der Schwangerschaft zu etablieren. Bei der tDCS wird ein schwacher Gleichstrom in der Stärke einer Haushaltsbatterie über Schwammelektroden auf der Kopfhaut ans Gehirn übertragen.

Der Strom verändert die Spontanaktivität von Nervenzellen je nach Polarisierung hin zu mehr oder weniger Aktivität. Hirnareale wie das Frontalhirn, die in der Depression eine verminderte Aktivität aufweisen, können dadurch zu mehr Aktivität angeregt werden.Von der Behandlung, die täglich zweimal 30 Minuten durchgeführt wird, spürt man ein Kribbeln auf der Kopfhaut, das durch den Stromfluss verursacht wird.

Gelegentlich treten leichte Kopfschmerzen oder Hautreizung auf, ansonsten ist das Verfahren gut verträglich. Über Krampfanfälle wurde nie berichtet, Schädigungen des Hirngewebes können bei den verwendeten niedrigen Stromstärken ausgeschlossen werden.

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass die Kombination aus tDCS und einer antidepressiven Medikation zu einem schnelleren und nachhaltigeren Wirkungseintritt führt als die die jeweilige Monotherapie. (eb)

Rückfragen und Studienanmeldung: Dr. Ulrich Palm Tel: 089 / 4400-55881, ulrich.palm@med.uni-muenchen.de

Dr. Julia Tschirdewahn, Tel: 089 / 4400-55812, julia.tschirdewahn@med.uni-muenchen.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »