Ärzte Zeitung, 20.11.2007

Epileptischer Anfall oder vegetative Synkope? Details geben Hinweise

Blick auf die Zunge und Infos über Körperhaltung stützen die Differenzialdiagnose

DÜSSELDORF (gvg). Hat sich ein Patient bei einer Synkope auf die Zunge gebissen, ist das für die Differenzialdiagnose kein eindeutiges Zeichen. Liegt der Biss aber lateral an der Zunge, deutet das stark auf einen epileptischen Anfall.

Darauf hat Dr. Stefan Isenmann aus Wuppertal bei der Medica in Düsseldorf hingewiesen. Generell gebe es keine Symptome, mit denen sich ein Krampfanfall sicher von einer vegetativen Synkope abgrenzen lasse, so Isenmann. Details erlauben meist aber doch eine relativ sichere Verdachtsdiagnose.

Beim Zungenbiss spricht eine laterale Lokalisation für einen epileptischen Anfall. "Ein Biss in der Zungenspitze kommt dagegen auch bei vegetativen Synkopen vor", so Isenmann. Auch die Augen können Hinweise geben, sofern es aufmerksame Zeugen des Kollaps gab. Bei einer vegetativen Synkope sind die Augen in der Regel offen, wobei die Bulbi eher nach oben verdreht werden. Bei Krampfanfällen dagegen sind die Augäpfel oft auffällig seitlich verdreht, sagte Isenmann.

Berichtet ein Zuschauer über eine seitliche Verdrehung des Kopfes oder über eine unnatürliche Körperhaltung während des Ereignisses, dann deutet das ebenfalls auf eine Epilepsie hin. Ein Hinweis in Richtung Epilepsie ist ebenfalls eine lange Erholungszeit.

Umgekehrt spricht es für ein vegetatives Geschehen, wenn Patienten später angeben, sie hätten zuvor schwitzige Hände oder ein kurzes Leeregefühl im Kopf gehabt. Unspezifisch ist das Einnässen bei einem Anfall. Myoklonien sind bei vegetativen Synkopen eher die Regel als die Ausnahme.

Ein Krampfanfall ist kein Beleg für eine Epilepsie, auch dann nicht, wenn er als typischer Grand-Mal-Anfall geschildert wird.

Isenmann berichtete von einer Synkopen-Patientin mit scheinbar typischen Grand-Mal-Anfällen, bei der schließlich ein Long-QT-Syndrom als Ursache festgestellt wurde. Die rasche kardiale Diagnostik gehört also zur Klärung von Synkopen unabdingbar dazu.

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