Ärzte Zeitung online, 20.05.2009

Epileptiker müssen weiter mit Vorurteilen kämpfen

ROSTOCK (dpa). Epileptiker in Deutschland müssen einer Studie zufolge weiterhin mit Vorurteilen kämpfen. Trotz besserer gesellschaftlicher Akzeptanz des Krampfleidens stießen viele Betroffene immer noch auf Probleme in Schule, Beruf und Privatleben, sagte der Berliner Medizinsoziologe Rupprecht Thorbecke am Mittwoch am Rande einer Fachtagung in Rostock.

"Der Trend ist rückläufig. Aber die Situation der Patienten ist nach wie vor ungünstiger als in der Schweiz oder den USA", fasste er die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Emnid zusammen.

Die sechste Erhebung zu den Einstellungen über Epileptiker seit 1967 ergab laut Thorbecke ein gemischtes Bild: Während im vergangenen Jahr nur noch 11 Prozent der Befragten Epilepsie für eine Form von Geisteskrankheit hielten (1967: 27 Prozent), äußerten 8 Prozent Bedenken, ihr Kind mit einem epilepsiekranken Altersgenossen spielen zu lassen (1967: 37 Prozent). Derweil hatte fast jeder Fünfte (19 Prozent) Vorbehalte an einer möglichen Heirat des eigenen Kindes mit einem Epileptiker.

Mehr Aufklärung in Arbeitswelt und Bildungswesen sei das beste Mittel, um die Anerkennung der Betroffenen zu verbessern, meinte DGfE-Chef Ernst Rüdiger Köhling. "Die Studie zeigt den hohen Bedarf an Informationen über Epilepsie und über die erfolgreichen modernen Behandlungsmöglichkeiten." Eine Familie, deren sechs Jahre alter Sohn an der Krankheit leidet, berichtete von ihren positiven Erfahrungen in einer der bundesweit rund 130 spezialisierten Ambulanzen.

Die für Juni geplanten Neuregelungen zur ambulanten Behandlung von Epilepsie-Patienten dürften jedoch nicht zulasten der bestehenden Zentren gehen, warnte der Münsteraner Neurologe Thomas Mayer. "Alle Kinder- und neurologischen Kliniken werden das dann anbieten wollen, aber wohl in schlechterer Qualität. Es macht uns etwas Bauchschmerzen zu sehen, dass die Strukturen diesen Weg nehmen."

Rund 800 Experten der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) beraten auf ihrer 6. Jahrestagung in der Hansestadt zusammen mit Kollegen aus Österreich und der Schweiz noch bis zum Samstag über neue Ansätze zur Behandlung der Nervenkrankheit.

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