Ärzte Zeitung, 05.06.2014

Norwegische Studie

Depression und Angst begleiten die Epilepsie

Bei Aspekten, die die psychische Gesundheit betreffen, schneiden unbehandelte Männer mit Epilepsie schlechter ab als behandelte.

ISTANBUL. Epilepsie geht tendenziell mit seelischen Leiden einher - ganz besonders dann, wenn die Grunderkrankung nicht ausreichend behandelt wird. Das hat eine beim Joint Congress of European Neurology in Istanbul vorgestellte norwegische Studie bestätigt.

Junge Männer mit Epilepsie (Durchschnittsalter 31,8 Jahre) leiden demnach im Vergleich zu gleichaltrigen gesunden Altersgenossen deutlich öfter unter Depressionen (3,9 Prozent versus 2,5 Prozent), leben unter ungünstigeren sozioökonomischen Bedingungen und zeigen sich häufiger mit ihrem Leben unzufrieden, werden die Studienergebnisse in einer Mitteilung zum Kongress zusammengefasst .

Für die Studie wurden in einer Kohorte von über 71.000 Männern rund 650 Personen mit Epilepsie identifiziert. "Nur ein gutes Drittel (36,9 Prozent) nahm Antiepileptika, der Rest war unbehandelt", wird Professor Nils Erik Gilhus von der Universität Bergen zitiert.

"Bei allen Aspekten, die die psychische Gesundheit betrafen, schnitten unbehandelte Männer mit Epilepsie schlechter ab als behandelte."

Oft kam es zu Gewaltepisoen

Konkret litten sie häufiger unter Angstzuständen (7 versus 4,6 Prozent), Aufmerksamkeitsstörungen (3,4 versus 0,4 Prozent), bipolaren Störungen (2,2 versus 0,3 Prozent), unspezifischen psychiatrischen Störungen (5,6 Prozent versus 2,3 Prozent) und schlechtem Selbstwert (2,5 versus 1,3 Prozent).

Mehr als doppelt so oft (3,3 versus 1,5 Prozent) kam es bei unbehandelten Männern mit Epilepsie zu Gewaltepisoden.

Dass Frauen mit Epilepsie häufiger an Depressionen während der Schwangerschaft leiden, aber seltener dagegen behandelt werden, hat eine weitere beim Kongress präsentierte Studie ergeben. Einbezogen wurden mehr als 100.000 Frauen, die in der 18. Woche schwanger waren. 713 von ihnen litten an Epilepsie.

Die Depressionsprävalenz zum Untersuchungszeitpunkt sei bei den Frauen mit Epilepsie höher als bei der Referenzgruppe (14,1 versus 9,1 Prozent) gewesen, wird zum Kongress berichtet, die Inzidenz während des dritten Schwangerschaftsabschnittes ebenso (8,4 versus 5,4 Prozent).

"Ungeachtet dessen erhielten nur knapp sieben Prozent der betroffenen Frauen mit Epilepsie Antidepressiva. Frauen, die nicht an Epilepsie litten, erhielten mehr als doppelt so häufig eine entsprechende Medikation. Der Gebrauch von Antiepileptika wie Topiramat, Oxcarbazepin, Carbamazepin und Valproic ging einher mit erhöhtem Depressionsrisiko, die Medikamente schützen also nicht vor depressiven Symptomen", wird Gilhus zitiert. (eb)

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