Ärzte Zeitung, 12.02.2004

Handy soll helfen, die Lücke zur Nachsorge zu schließen

Ärzte fragen per SMS nach Befinden eßgestörter Patienten

BAD PYRMONT (cben). Die Psychosomatische Fachklinik Bad Pyrmont und die Forschungsstelle für Psychotherapie in Stuttgart erproben in einem Versuch mit 33 Bulimie- und Magersucht-Patienten die Nachsorge per Mobiltelefon.

Über standardisierte SMS-Texte (Short Message Service) fragen die Ärzte der Klinik per Handy ihre Patienten nach dem Erfolg der stationären Therapie im Alltag. Die Patienten antworten per Zahlencode. "Das SMS-Programm soll die rückfallgefährdete Zeit zwischen der Entlassung und dem Beginn eine ambulanten Psychotherapie überbrücken", sagte der Leitende Psychologe der Klinik, Eberhard Okon.

Einmal pro Woche schicken die Therapeuten per Zentralcomputer ihren entlassenen Patienten eine SMS und erkundigen sich mit Standardfragen nach deren Stimmung, Körpergewicht und Eßverhalten. Die Patienten bewerten die drei Parameter mit einem Wert zwischen 1 und 5; Die Zahl 5 steht für "miserabel", die 1 für "sehr gut".

Die Bewertungsziffern werden dann an den Zentralcomputer geschickt. Lautet diese Ziffern-Antwort auf die drei Fragen zum Beispiel "4,1,1", so bedeutet dies: "schlechtes Körpergefühl, keine Eßanfälle, kein Erbrechen." Per Zufallsgenerator wählt der Stuttgarter Computer dann eine aus 160 möglichen Antworten auf den entsprechenden Zahlencode aus und schickt ihn als SMS dem Patienten auf das Display des Mobiltelefons. Etwa so: "Daß man sich in seinem Körper manchmal nicht wohl fühlt, ist normal und geht vorüber. Seien Sie stolz darauf, daß Sie Ihre Eßstörungen so gut im Griff haben."

Über den Nutzen des Programms sagt Okon: "Wir stabilisieren die Patienten, erhalten Daten über den poststationären Behandlungsverlauf und können so die Nachsorge verbessern." Zur Zeit plant die Klinik eine Studie, die den Nutzen des SMS-Programms prüfen soll. Die Behandlung ist günstig. Okon: "Die laufenden Kosten betragen ein Euro pro Patient."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »