Ärzte Zeitung, 12.01.2010

Ess-Störungen sind nicht nur ein Problem von Frauen

Fast nur Mädchen leiden an Ess-Störungen - falsch. Einer Auswertung der KV Bremen zufolge, liegt der Anteil von männlichen Jugendlichen und jungen Männern bei Magersucht und Bulimie inzwischen bei 31 Prozent.

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Zunehmend sind auch junge Männer von Ess-Störungen betroffen. © Viktors Neimanis / fotolia.com

BREMEN (cben). Jeder dritte Bremer Teenager, der wegen Magersucht oder Bulimie behandelt wird, ist männlich. An Magersucht, Bulimie oder krankhaftem Brechzwang leiden zunehmend auch Jungen und junge Männer. Das zeigt eine Diagnoseauswertung der KV Bremen.

Demnach liegt der Männeranteil der an Essstörungen erkrankten Patienten unter 21 Jahren bei 31 Prozent. "Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Essstörungen ein weibliches Phänomen sind", sagte KV Chef Dr. Till Spiro.

In die Auswertung sind sämtliche Diagnosen im Land Bremen von 2006 bis 2008 eingeflossen. Das Bild war immer dasselbe, teilte die KVHB mit. Fast jeder dritte Patient unter 21 Jahren ist männlich. Im Jahr 2008 sind bereits 236 männliche Jugendliche beziehungsweise junge Männer in Bremen oder Bremerhaven mit der Diagnose Essstörungen von einem Arzt oder Psychotherapeuten behandelt worden.

In den älteren Jahrgängen bleiben Männer mit einem Anteil von durchschnittlich nur 8,7 Prozent an allen Patienten indessen eine Minderheit. Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher liegen, vermutet die KV.

Identitätsprobleme, geringes Selbstwertgefühl, familiäre Konflikte und ein Schönheitskult, der bei Jugendlichen an Bedeutung gewinnt, sind also längst keine nur weiblichen Phänomene mehr. Auf dem Weg vom Babyspeck zum Waschbrettbauch verlieren auch immer mehr junge Männer ein gesundes Gefühl für ihren Körper. "Nach einer Studie des Robert-Koch-Institutes zeigen jedes dritte Mädchen und jeder fünfte Junge in der Pubertät Symptome von Ess-Störungen", berichtet Helga Strube, Leiterin der Sektion Niedersachsen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

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