Ärzte Zeitung online, 26.12.2011

Heißhunger-Attacken in Heidelberg

Spielen sich bei Heißhunger-Attacken und Essanfällen im Gehirn ähnliche Vorgänge ab wie bei Suchterkrankungen? Das wollen jetzt Forscher der Uniklinik Heidelberg herausfinden.

Studie zu Heißhunger-Attacken: Teilnehmer gesucht

Guten Appetit.

© Anja Roesnick / fotolia.com

HEIDELBERG (eb). Heißhunger-Attacken und Essanfälle sind typisch für die Binge Eating Störung (Ess-Sucht) oder Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Die Betroffenen erleben die Anfälle als unkontrollierbar.

In einer neuen Studie wollen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg nun mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) die Vorgänge im Gehirn untersuchen, die das gestörte Essverhalten steuern.

Ziel der Forscher ist es, neue Erkenntnisse für die Therapie und Vorbeugung dieser Erkrankungen zu gewinnen. Dafür werden noch Teilnehmer gesucht.

Hirnaktivität wird mit MRT dokumentiert

Die Untersuchung dauert circa eineinhalb Stunden, teilt dazu die Uni Heidelberg mit. Dabei gilt es, einfache Aufgaben zu lösen, während die Gehirnaktivität mit MRT dokumentiert wird. Dazu befindet sich der Teilnehmer im Magnetresonanztomografen.

Gesucht werden Personen ab 18 Jahren mit Bulimia nervosa oder Binge-Eating-Störung, die seit mindestens drei Monaten unter ein bis zwei Essanfällen pro Woche leiden.

Auch Volljährige ohne Essstörung sind herzlich eingeladen, an der Studie teilzunehmen: Sie liefern als Teil der Kontrollgruppe wichtige Vergleichsdaten. Teilnehmen können Rechtshänder, die kein Metall wie Knochenschienen, künstliche Gelenke oder Herzschrittmacher im Körper haben.

Alle Patientendaten fließen anonymisiert in die Studie ein. Die Teilnehmer erhalten eine kleine Aufwandentschädigung und können ein MRT-Bild ihres Gehirns mit nach Hause nehmen.

Gleiches Muster wie bei Suchterkrankungen?

Ungefähr 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Binge-Eating-Störung, beinahe ebenso viele an Bulimie, erinnert die Uni Heidelberg. Beiden Erkrankungen gemeinsam sind die Essanfälle, denen sich die Betroffenen hilflos ausgeliefert fühlen.

Danach folgen häufig Ekel und Schuldgefühle. Menschen mit Bulimie erbrechen nach der Essattacke absichtlich, um einer Gewichtzunahme entgegenzusteuern. Auslöser beider Erkrankungen sind in der Regel unterdrückte emotionale Probleme.

Im Rahmen der Studie wollen die Wissenschaftler prüfen, ob die Essstörungen mit ähnlichen Veränderungen der Gehirnaktivität wie bei Suchterkrankungen einhergehen. Hierzu wird die Hirnaktivität während der Erwartungsphase und bei Erhalt einer Belohnung sowie in der Kontrolle von Handlungsimpulsen auf Belohnungsreize gemessen.

Rolle des Belohnungssystems ist unbekannt

"Die Essanfälle treten in der Regel nicht aus einem Hungergefühl heraus auf, sondern bei emotionalem Stress", wird Studienleiter Privatdozent Hans-Christoph Friederich, Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik Heidelberg, in der Mitteilung zitiert.

"Wir untersuchen nun anhand der Gehirnaktivität, welche Rolle das Belohnungssystem des Gehirns dabei spielt, ob es generell anders beziehungsweise vermindert reagiert als bei gesunden Vergleichspersonen oder nur in Bezug auf Nahrungsmittel, oder ob das Problem eher im Bereich der Impulskontrolle liegt", so Friederich weiter.

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie wird von der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik in Kooperation mit der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg durchgeführt.

Interessierte wenden sich bitte an Dipl.-Biologin Mandy Skunde, Abteilung für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, Tel.: 06221 / 56 38 283 oder E-Mail: Mandy_Skunde@med.uni-heidelberg.de

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