Ärzte Zeitung, 12.02.2004

Optimale Versorgung ist auch ambulant möglich

In der Frühphase der Erkrankung kann die Betreuung von Parkinson-Patienten weitgehend bei Hausärzten erfolgen

Werden Parkinson-Patienten medikamentös gut eingestellt und wird der weitere Verlauf der Erkrankung von Hausärzten und Neurologen gut überwacht, dann läßt sich ein Klinikaufenthalt häufig vermeiden. So lautet die Erfahrung des niedergelassenen Neurologen Dr. Alexander Simonow.

Gymnastische Übungen helfen, die Beweglichkeit von Parkinson-Patienten zu verbessern und unterstützen so die Arzneitherapie. Foto: DPG

Häufig würden Parkinson-Patienten zur Diagnose oder zur medikamentösen Neueinstellung bis zu zwei Wochen stationär aufgenommen. Klappt jedoch die Kooperation zwischen Hausärzten und Neurologen, sei auch eine ausschließlich ambulante Betreuung möglich.

Eine optimale Zusammenarbeit stellt sich Simonow so vor: Hat ein Hausarzt bei Patienten den Verdacht auf M. Parkinson, überweist er sie zu einem Neurologen. Der kümmert sich um die Diagnose und Differentialdiagnose. Haben die Patienten M. Parkinson, werden sie vom Neurologen medikamentös eingestellt und zur weiteren Betreuung zum Hausarzt zurückgeschickt.

In den ersten Jahren der Erkrankung sprechen die Patienten auf die Medikation meist gut an und es kommt selten zu Komplikationen. In dieser Zeit, so Simonow, liege die Betreuung vorwiegend bei den Hausärzten. Da die Krankheit stetig fortschreitet, kommt es jedoch nach einigen Jahren oft zu Problemen wie Wirkungsfluktuationen, Halluzinationen oder Dyskinesien. Bei Anzeichen solcher Veränderungen sollten die Patienten wieder zum Neurologen geschickt werden, etwa um zu klären, ob die Symptome durch Morbus Parkinson oder eine andere Krankheit bedingt sind, und um gegebenenfalls die Medikation zu ändern.

Warnzeichen für Komplikationen oder eine Progression sind etwa lebhafte Träume - sie könnten Vorboten von Halluzinationen sein - oder Blasenentleerungsstörungen. Oft denken die Patienten nicht, daß diese Symptome etwas mit der neurologischen Erkrankung zu tun haben, so Simonow. Die Patienten berichten solche Symptome daher eher ihrem Hausarzt als ihrem Neurologen.

Bei fortgeschrittener Erkrankung, wenn die Patienten L-Dopa benötigen, kommt es früher oder später meist zu einer verkürzten Wirkdauer der dopaminergen Arznei: Sinkt der L-Dopaspiegel, treten die motorischen Symptome verstärkt wieder auf. Auch hier ist oft eine Änderung der Therapie nötig. Erste Zeichen eines solchen "Wearing off" können aber auch nicht-motorische Symptome wie Schweißausbrüche, Atemnot und vor allem eine verstärkte Ängstlichkeit sein, so der Neurologe Professor Wolfgang Oertel aus Marburg. Auch dann ist ein Besuch beim Neurologen ratsam.

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"Morbus Parkinson - frühe Diagnose, optimale Versorgung"

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